Beide Veranstaltungen finden im Bahnhof Langendreer statt:

Mittwoch, 27.10., 19.30 Uhr, studio 108
Elmar Altvater: Der große Krach oder die Jahrhundertkrise von Finanzen und Natur

Den einen ist sie die schwerste Finanz- und Wirtschaftskrise in der Geschichte des Kapitalismus, anderen gilt sie inzwischen nur noch als fast schon überwundene “Rezession”, nach der man wieder das tun kann, was man vor der Krise getan hat und wodurch diese bewirkt wurde. Die CDU-FDP-Bundesregierung signalisiert, wie es geht: Die Banken unterstützen, den Reichen Steuern ersparen, Arme belasten. Elmar Altvater bezieht sich präzise auf die empirisch sichtbaren Verlaufsweisen dieser “Finanzmarktkrise” und den politischen Umgang mit ihr, aber er gibt sich nicht mit dem Augenschein zufrieden. In Kenntnis der bisherigen Literatur, die sich allzu häufig mit der reinen Schilderung von Phänomenen begnügte, entschlüsselt er in bekannt souveräner Weise die Ursachen dieser Krise. Diese umfasst sehr viel mehr als nur den Finanzsektor oder die Finanzspekulationen, sie betrifft in ihren Auswirkungen Arbeit und Geld, Energie, Klima und Ernährung und kommt letztlich aus dem Zentrum heutiger Gesellschaften.

Elmar Altvater ist Professor em. für Politikwissenschaft an der FU-Berlin, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von attac und Gründungsmitglied des Instituts Solidarische Moderne; zahlreiche Veröffentlichungen zur Frage der kapitalistischen Entwicklung, zur Staatstheorie, zur Entwicklungspolitik, Schuldenkrise und zum Zusammenhang von Ökonomie und Ökologie; soeben erschien “Der große Krach: oder die Jahrhundertkrise von Finanzen und Natur” im Verlag Westfälisches Dampfboot.

———————-

Freitag, 29.10., 19.30 Uhr, Raum 6
Klaus Jünschke: Jugendliche in Haft
Wo lernen Jugendliche am besten Brutalität? In Gefängnissen, die zum Teil noch aus der Kaiserzeit stammen.


Jugendkriminalität ist zu einem der wichtigsten innenpolitischen Themen der Bundesrepublik geworden. Bei PolitikerInnen ist das Thema beliebt, weil sich mit dem Ruf nach immer mehr Härte Handlungsfähigkeit demonstrieren lässt, ohne auch nur das Geringste gegen den Bildungs- und Ausbildungsnotstand zu tun. Die Jugendlichen selbst kommen in dieser Auseinandersetzung so gut wie gar nicht zu Wort.  Jugendkriminalität wird gerne als Unterschichtsproblem diskutiert. Damit wird versucht, die Verantwortung der Gesellschaft und Politik für Strukturen und Zustände aus der Diskussion zu halten.
Klaus Jünschke ist Journalist und gehört seit 1997 dem Beirat der JVA Köln-Ossendorf an, wo er sich um jugendliche Strafgefangene kümmert. Er veröffentlichte u.a. “Pop Shop. Gespräche mit Jugendlichen in Haft”. Hamburg 2007

http://www.jugendliche-in-haft.de/

Ab dem 27.10. wird im Kino-Cafe auch die Ausstellung „Menschen statt Mauern – für ein Europa ohne Jugendgefängnisse“ gezeigt.
In Zusammenarbeit mit dem Institut für Medienwissenschaft der Ruhr-Uni