Studierendenvertretung an der RUB

AStA der Ruhr Uni Bochum

"Unsere Opfer zählen nicht " - Vortrag zur Dritten Welt im Zweiten Weltkrieg von Karl Rössel

17. Januar, 18:30 Uhr Kulturcafé

»Millionen Soldaten aus Afrika, Asien und Ozeanien haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft, um die Welt vom deutschen und italienischen Faschismus sowie vom japanischen Großmachtwahn zu befreien. Allein Indien stellte 2,5 Millionen Kolonialsoldaten und China hatte mehr Opfer zu beklagen als Deutschland, Italien und Japan zusammen. Sowohl die faschistischen Achsenmächte als auch die Alliierten rekrutierten in ihren Kolonien Hilfstruppen und Hilfsarbeiter oftmals mit Gewalt. Japanische Militärs verschleppten zudem Hunderttausende Frauen aus Asien in ihre Frontbordelle. Rekruten aus den Kolonien, ob Freiwillige oder Zwangsverpflichtete, mussten sich mit weniger Sold, schlechteren Unterkünften und geringeren Kriegsrenten als ihre «weißen Kameraden» zufriedengeben. In der Dritten Welt gab es allerdings nicht nur Opfer, sondern auch Kollaborateure der faschistischen Achsenmächte, die im Krieg an deren Seite kämpften – von Nordafrika über Palästina, den Irak und Indien bis nach Indonesien.

Das Buch „Unsere Opfer zählen nicht“ – die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg (Verlag Assoziation A, Hamburg/Berlin), herausgegeben von Recherche International e.V. und dem Rheinischen JournalistInnenbüro in Köln, erinnerte 2005 erstmals an dieses vergessene Kapitel der Geschichte. Es entstand auf der Grundlage langjähriger Recherchen und zahlreicher Interviews mit Veteranen, ZeitzeugInnen und HistorikerInnen in 30 Ländern und gibt erstmals einen Überblick über die weitreichenden Folgen des Zweiten Weltkriegs in der Dritten Welt. 2008 sind zudem Unterrichtsmaterialien zum Thema mit Originaltönen von ZeitzeugInnen auf einer beiliegenden CD erschienen. Seit 2009 tourt eine Wanderausstellung zum Thema durch verschiedene Städte. (Weitere Infos zum Projekt: www.3www2.de)


Karl Rössel arbeitete von 1983 bis 2011 im Rheinischen JournalistInnenbüro in Köln als Autor für Hörfunk und Printmedien zu internationalistischen Themen. Buchveröffentlichungen u.a. über die Geschichte der Dritte Welt-Bewegung in der Bundesrepublik, den vergessenen Krieg in der Westsahara, den Missbrauch deutscher Entwicklungshilfe zur Aufstandsbekämpfung auf den Philippinen und die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg.

 

Der Begriff der Natur in der Kritischen Theorie
Referent: Georg Spoo
10. Januar 18.30 Uhr KulturCafe
Die „Kritische Theorie“ umfaßt bekannte Denker wie Adorno, Marcuse oder Horkheimer und ist untrennbar mit Begriffen verbunden die fast zu Schlagwörtern geworden sind. Worte wie Kulturindustrie, die autoritäre Persönlichkeit oder Verdinglichung finden sich – mal mehr und mal weniger bestimmt – in zahlreichen Diskussionen wieder. Dass sie so einen bleibenden Einfluß gewinnen konnte liegt sicherlich nicht nur an dem Einfluss den die Denker selber hatten, sondern an ihrer Grundkonzeption. Die Kritische Theorie bezog die Marxsche Kritik kapitalistischer Produktion radikaler als die meisten anderen Marxisten auf alle Sphären der bürgerlichen Gesellschaft. Phänomene wie Kultur, Ideologie oder Theoriebildung rücken immer stärker in den Mittelpunkt. Im Angesicht der zu ihrer Gründungszeit entstehenden autoritären Staaten – wie dem nationalsozialistischen Deutschland – und dem scheitern der antifaschistischen und revolutionären Bewegungen kritisiert die Kritische Theorie außerdem die ungebrochene Hoffnung auf eine unumgehbare Revolution und die oft als ihr Motor betrachtete Arbeiterbewegung. Stattdessen bezog sie die dogmatischen Strömungen des Marxismus ebenso in ihre Kritik ein, wie Versuche einer individuellen Befreiung. Dadurch verlagert sie sich auf eine theoretische und kritische Haltung gegenüber der Gesellschaft der ein direkter Praxisbezug auf den ersten Blick zu fehlen scheint.

In diesem Vortrag sollen die Grundideen der Kritischen Theorie, und ihr radikal kritisches Potential anhand eines ihrer zentralen Themen entfaltet werden – nämlich der Natur und ihrer Beherrschung durch den Menschen. Auch wenn Natur auf den ersten Blick mit Gesellschaft nichts zu tun zu haben scheint, bildet sie das Zentrum der Philosophie der meisten kritischen Theoretiker, allen voran Adornos. Grundlegend für das Interesse an ihr ist Adornos These, dass gesellschaftliche Verhältnisse immer Naturverhältnisse und Naturverhältnisse stets gesellschaftliche Verhältnisse sind. Die Beherrschung von Menschen durch Menschen ist der Kritischen Theorie zufolge nicht von der Beherrschung der Natur ablösbar. In der völligen Unterwerfung der Natur liegt ebenso eine Form von Herrschaft, wie in der menschlichen Selbstunterwerfung unter die Natur. Beide Formen werden als die gegenwärtigen Muster des gesellschaftlichen Naturverhältnisses kritisiert, denen die Utopie einer Versöhnung von Mensch und Natur gegenüberstellt wird. Daher soll nachvollzogen werden wie das Konzept der Natur(beherrschung) verstanden werden muss und gezeigt werden wie sich aus der Kritik der Naturbeherrschung eine Gesellschaftskritik ausbilden konnte. Es soll nachvollziehbar werden was die Kritische Theorie wollte und will.

Georg Spoo lebt und studiert in Freiburg.

Einführung in die Kritik der Politischen Ökonomie mit Anne Steckner
20. Dezember 18.30 Uhr KulturCafe

Was ist Kapitalismus? Diese komplexe Frage stellte sich schon Karl Marx. In seinem theoretischen Hauptwerk ‚Das Kapital‘ setzt er sich mit den Grundlogiken kapitalistischer Vergesellschaftung auseinander und untersucht, wieso wir zwar verstehen und kritisieren können, wie Kapitalismus funktioniert, aber zugleich in ihm (über)leben und handeln müssen. Die Kritik der Politischen Ökonomie kann zeigen, was unsere Alltagsvorstellungen über uns und die Gesellschaft mit eben diesen Verhältnissen zu tun haben. Analyse und Kritik sind bei Marx eng aufeinander bezogen. Welche Erklärungskraft die Marxsche Theorie heute noch hat und was sie für politische Intervention taugt, ist Gegenstand dieser Einführung durch Anne Steckner.

Anne Steckner ist freiberuflich in der politischen Bildung tätig und Promotionsstipendiatin der Rosa-Luxemburg-Stiftung zum Thema Kapitalismus und Religion in der Türkei.

13. Dezember 18.30 Uhr KulturCafe

Schwarz vermummte Jugendliche hinter bunten Transparenten, Slogans wie „Smash Capitalism!“ oder „Fight the system!“: Mit den ,Autonomen Nationalisten’ (AN) ist eine neue Generation von Neonazis in Erscheinung getreten, die deren bisherigem Klischeebild komplett widerspricht. Stilistisch angelehnt an jugendkulturelle Ausdrucksformen der Linken, sorgten diese ,neuen Nazis’ gleichermaßen für allgemeine Irritation wie für Sogwirkung in der extremen Rechten. Eine eingehende wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem Phänomen stand bislang aus. Erstmalig werden in dem vorgestellten Sammelband umfassend Herausbildung, Entwicklung und Wirkungsmächtigkeit der AN analysiert. Inszenierungspraxen, Selbstbild und Weltanschauung werden ebenso untersucht wie das Verhältnis zur NPD, aber auch die Lebenswelt der Akteure. Der unterschiedlichen Situation in den Bundesländern wird durch Beiträge zur regionalen Entwicklung Rechnung getragen, ergänzt um einen Blick auf die internationale Rezeption. Abgeschlossen wird der Sammelband durch sozial- und kulturhistorische Bezüge sowie eine theoretische Verortung unter Einbeziehung verschiedener Ansätze der sozialwissenschaftlichen Bewegungsforschung.

Diese Woche findet die “Woche der Wissenschaften” statt: Bei dieser Veranstaltungsreihe soll Lehrenden der Ruhr-Uni die Gelegenheit gegeben werden, auch außerhalb des Lehrplans zu aktuellen Themen zu referieren. Studierende haben so die Möglichkeit, über den Tellerrand des eigenen Fachbereichs zu schauen.

Fotot von epSos.de auf flickr

Die Veranstaltungen finden jeweils um 18.00 Uhr im Raum HZO 80 statt.

Montag, 5.12.

Martin Seeliger (Sowi-Fakultät)
Keine Latten aufm Zaun, weil sie mit Latten zuhaun? – Deutschsprachiger Gangstarap

Deutsche Gangstarapper sind gewaltaffine junge Männer mit Migrations- und ohne Bildungshintergrund, die Frauen und Schwule verachten und mit Drogen handeln – so jedenfalls ein gängiges Stereotyp, das Genrevertretern als ’symbolischer Rohstoff’ für ihre popkulturelle Inszenierung dient. Unter soziologischen Gesichtspunkten ließe sich nun überlegen, wie diese Stereotype eigentlich zu Stande kommen. Neben einer Analyse der konkreten Ausprägungen des Genres, würde dies auch bedeuten, nach den gesellschaftlichen Verhältnissen zu fragen, unter denen ein Phänomen wie Gangstarap hervorgebracht wird. Aufbauend auf der Analyse ethnischer, sowie klassen- und geschlechterspezifischer Stereotype soll genau dies im Vortrag geschehen!

Dienstag, 6.12.

Monika Steinrücke (Institut für Geographie)
Wie funktioniert eigentlich der Klimawandel?

Gab es nicht schon immer „Klimawandel“? Oder sind wir Menschen schuld am Klimawandel? Ist der Treibhauseffekt etwas Schlimmes oder notwendig für das Leben auf der Erde?
Im Vortrag sollen die Unterschiede zwischen dem natürlichen und dem anthropogen verur-sachten Klimawandel erläutert werden. Es werden Themen über das Klimasystem, die For-schungsergebnisse des IPCC, Klimafolgen und Klimaanpassungsstrategien angesprochen.

Donnerstag, 8.12.

Thomas Stützel (Fakultät für Biologie)
Evolutionstheorie vs. Kreationismus

Keine andere wissenschaftliche Theorie hat über die Jahrhunderte so viele Kontroversen verursacht wie die Evolutionstheorie. Es wurde mit der Evolutionstheorie intrigiert und polemisiert, es wurde gegen sie intrigiert und polemisiert. Im Vortrag wird sowohl die grundlegende wissenschaftliche Aussage der Evolutionstheorie analysiert als auch deren gesellschaftliche Instrumentalisierung unter den sich wandelnden Rahmenbedingungen im Lauf der Geschichte. Der Bogen wird von der Antike mit den Wurzeln von Naturwissenschaften und Religionen über Mittelalter und Renaissance bis zur Neuzeit mit dem Gegensatz zwischen wissenschaftlicher Biologe und Kreationismus gespannt.

Freitag, 9.12.

Madlen Krüger (Lehrstuhl für Religionswissenschaft)
“Zum Wohle der Nation, der Rasse und der Religion” – Das Verhältnis buddhistischer Mönche zu Krieg und Gewalt

Die Rezeption des Buddhismus im Westen als friedfertige Religion ist ein wesentlicher Bestandteil seiner Attraktivität. Vorherrschend ist das Bild eines ruhigen, ausgeglichenen buddhistischen Mönches, der danach strebt, durch Meditation die Erlösung vom Daseinskreislauf zu erlangen. Themen wie die Gewaltbereitschaft buddhistischer Mönche werden dabei weitgehend ausgeblendet. Im Vortrag soll anhand einzelner Beispiele in der Geschichte Sri Lankas das Verhältnis von Buddhismus und Gewalt aufgezeigt werden.

Referent: Moritz Ege

6. Dezember 18.30 Uhr KulturCafe

»Black Power«-Solidarität und Soul-Musik, blonde »Afros« und schwarz-weiße Werbekampagnen: Afroamerikanisches und »Schwarzes« hatte in verschiedenen Feldern der Gegen- und Popkultur der Bundesrepublik um 1968 Konjunktur, symbolisch und politisch. Ging es dabei um eine Erweiterung des politischen und ästhetischen Horizonts, um reale Interaktionen, um »Fluchtlinien« aus hegemonialen Subjektivitäten? Oder doch eher um Projektionen in der Tradition von Primitivismus und Exotismus? Der Vortrag zeigt Formen und Hintergründe der »Afroamerikanophilie« auf und stellt Grundzüge von Aneignungspraktiken und damaligen Debatten um das Thema vor. Er zeichnet damit ein ungewohntes Bild der Zeit um 1968, als in den USA ein zunehmend »exklusives« afroamerikanisches Selbstbewusstsein entstand und die »weiße« Suche nach imaginären Einlassstellen in die »schwarze« Welt an vielen Orten zugleich eine neue Qualität gewann. Fragen nach dem Zusammenspiel von Identifikation und Solidarität, Rassismus, Aneignung und Nachahmung werden an historischen Beispielen ausgeführt, lassen sich aber auch mit Blick auf die Gegenwart diskutieren.

Moritz Ege ist Autor des titelgebenden Buches und wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Kulturwissenschaftlichen Fakultät an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

 

Zur Erinnerung an Thomas Harlan
(1929-2010)

29. November 18.30 Uhr KulturCafe
Wir erinnern durch seine ‚eigenen‘ Worte an den vor einem Jahr am 16. Oktober 2010 in Berchtesgaden verstorbenen Thomas Harlan. Als der schwer Lungenkranke bereits auf ein Zimmer in einer Heilanstalt gegenüber Hitlers vormaligen Berghof beschränkt war, versuchte er in dem gemeinsam mit Christoph Hübner von 2001 bis 2005 realisierten Interviewfilm „Wandersplitter“ diesen physisch eingeengten Raum nochmals zu überspringen und die Erfahrungen seines Lebens erzählend einzuholen. Er, liebender Sohn von Veit Harlan („Jud Süß“) und auch deshalb Brandstifter und engagierter Antifaschist, früh und noch oftmals aus Deutschland exilierter und sich selbst exilierender Reisender, Internationalist und Kosmopolit, nach Frankreich, Israel, in die Sowjetunion, Italien, Portugal, Chile, die USA, Freund von Marc Sabathier-Levêque, Gilles Deleuze, Klaus Kinski, Fritz Bauer, Giangiacomo Feltrinelli. Schriftsteller, von der Wahrheit in der Sprache Getriebener und auf eine bestimmte Weise deshalb erfolgreichster „Nazi-Jäger“ der 60er Jahre, zum Aufbau einer portugiesischen landwirtschaftlichen Kooperative und zur Gewalt des postnazistischen Deutschland und ’seiner‘ Nazis arbeitender Revolutionär und Aktivist, Dokumentierer und Filmemacher. Aus den Brüchen und „Unfällen“ (Harlan) die diese, und letztlich jede Biographie bedeuten, entsteht so vor unseren Augen, reflektierend, springend, denkend, abbrechend, eine subjektive, aber alles andere als ’schicksalhafte‘ Einheit suggerierende „Anti-Biographie“, nicht nur seiner selbst.

Thomas Harlans erzählerisches Werk erschien im Eichborn Verlag, Berlin. Seine Gesammelte Werke erschienen im Rowohlt-Verlag, Hamburg. Ein Teil seiner Filme liegt in der Edition Filmmuseum, München auf DVD vor.
www.thomasharlan.com

Am kommenden Donnerstag geht es los. Die Veranstaltungsreihe “Ungleichheit & Differenz” (unterstützt vom AStA Bochum) beginnt mit einem Vortrag von Katja Sabisch zum Thema Homosexualität im Fussball. “Wir sind besonders froh, in diesem Semester auch internationale Referent*innen begrüßen zu können und hoffen auf viele Besucher*innen und eine rege Beteiligung bei den Diskussionen, die sich an alle Vorträge anschließen werden!”

Übersicht der Veranstaltungen:

Donnerstag, 24.11.2011 | 18 Uhr | GA 03/46
„ … außerdem dusche ich immer mit dem Arsch zur Wand“ Frank Rost – Der Diskurs über Homosexualität in der deutschen Fußballbundesliga
Katja Sabisch

Dienstag, 29.11.2011 | 18 Uhr | GA 03/46
Männlichkeiten im deutschsprachigen Rap
Malte Goßmann

Donnerstag, 01.12.2011 | 18 Uhr | GA 03/46
Silikon und Nation: Geschlechterdiskurse und Nationalismus im Kontext postjugoslawischer Musik
Milena Prekodravac und Verena Schuh

Dienstag, 06.12.2011 | 18 Uhr | GA 03/46
Gandhi, Tagore, Herder, Kant. Konzepte kultureller Differenz in Indien und Deutschland
Purba Banerjee und Ronald Kurt

Donnerstag, 08.12.2011 | 18 Uhr | GA 03/46
Join us in the streets: uprisings, riots, revolt and other square forms of organizing
John Hutnyk

Hier gibt es die Ankündigungstexte!

Adornos Philosophie wird selten als genuin politisch begriffen. Diese Annahme rührt zum einen von einem verkürzten Begriff von politischer Philosophie her, zum anderen ist sie Resultat selektiver Lektüre. Im Zentrum von Adornos Philosophie steht die radikale Kritik an Herrschaft in all ihren Formen und Facetten. Während er in geschichts-philosophischer und sozial-theoretischer Hinsicht der Frage nach dem Ursprung und den Formen von Herrschaft nachgeht, zielt sein politisches Denken auf einen universalen und radikalen Begriff von Freiheit. Der Vortrag wird darlegen, dass Adorno dabei sowohl in analytischer als auch normativer Hinsicht als konsequenter, aber auch widersprüchlicher libertärer Denker zu gelten hat.

Im Seminar sollen zwei politisch zentrale Texte des kritischen Theoretikers gemeinsam gelesen werden: Marginalien zu Theorie und Praxis sowie Individuum und Organisation.

Datum:
25.11. 18:00
26.11. 12-16:00

Ort:
Fr: GBCF 04/257
Sa: GBCF 05/606

Referent:
Hendrik Wallat

Vortrag am Dienstag den 15. November um 18:30 Uhr im Kulturcafé

Im Dezember 2010 wurde der LKA-Beamte Simon Bromma enttarnt, der als vermeintlicher vielfältig engagierter Student “Simon Brenner” über  fast ein Jahr hinweg die linke Szene Heidelbergs ausspioniert hatte. Zahlreiche studentische Gruppen, die gegen Atomkraft, gegen die Verschlechterung der Bildungsssituation und gegen Rassismus aktiv sind, waren von dem Einsatz betroffen. Eigentliches Ziel der Polizeimaßnahme, die auf mehr als fragwürdiger rechtlicher Grundlage durchgeführt wurde, waren antifaschistische Strukturen im Raum Heidelberg, insbesondere die Antifaschistische Initiative Heidelberg. Zahllose Grundrechte Dutzender Betroffener wurden durch das Landeskriminalamt mit Füßen getreten, das Trennungsgebot zwischen Polizei und Geheimdienst eindeutig überschritten. Die damalige CDU-geführte baden-württembergische Landesregierung schwieg sich zu dem umstrittenen Einsatz aus, der bundesweit für großes Medienecho sorgte. Auch die neugewählte grün-rote Koalition beruft sich auf Geheimhaltungsgründe und blockt alle Anfragen ab. Doch die Betroffenen lassen sich nicht einschüchtern und klagen gegen die Repressionsmaßnahme, begleitet von intensiver Öffentlichkeitsarbeit.

Eine Vertreterin des AK Spitzelklage, der die Feststellungsklage koordiniert, berichtet bei der Veranstaltung vom Spitzeleinsatz, der öffentlichen Diskussion der letzten Monate und vom aktuellen Stand der Klage.