AStA der Ruhr Uni Bochum
29 Apr
Diskussionsveranstaltung mit Freerk Huisken am Mittwoch, 4. Mai um 18 Uhr im Hörsaal HGA 30
Foto von daniel-weber auf flickr
Mit Pflichtstoff vollgestopfte Studienzeiten, Leistungsdruck, Prüfungsstress, Selektion, Geldnöte: Darüber beschweren sich Studierende mit gutem Grund. Und warum ist das alles so? Welche Anliegen verfolgt die Bildungspolitik mit der Reform des Hochschulbereichs?
Die Protestierenden haben Antworten: Der Staat reformiere die Hochschulen in einem Sinne, der überhaupt nicht ihren Vorstellungen von Wissenschaft und Ausbildung entspreche. Das mag schon sein. Aber nach welchen Zielen und Maßstäben organisieren und reformieren der Staat und seine Rektoren/innen denn Wissenschaft und Ausbildung stattdessen? Sie werden doch wohl ihre eigenen Ziele und Anliegen damit verfolgen.
Die Bildungspolitiker/innen halten ihre Absichten ja gar nicht geheim: „Konkurrenzfähigkeit“ des „Standorts Deutschland“ sollen mit dem Bologna-Prozess durch Forschung und studierte Berufsanwärter vorangebracht werden; und dafür sei vor allem die bisherige Ausbildung zu zeitaufwendig, zu teuer, zu ineffektiv. Was ist das eigentlich für ein Programm? Studierende vermelden, dass dies dem unheilvollen Einfluss der „Verwertungslogik“ geschuldet sei, der sich jetzt im staatlichen Hochschulbereich durchsetze und die „Freiheit von Forschung und Lehre“ bedrohe.
Was ist aber, wenn es genau um so etwas auch dem Staat geht, der die „Marktwirtschaft“ organisiert und doch nicht zufällig Milliarden in die Rettung des Finanzsystems und des Euro steckt. Vielleicht trifft die Vorstellung gar nicht zu, dass die „Wirtschaftlobby“ die staatliche Bildungspolitik von ihren eigentlichen Aufgaben ablenkt. Vielleicht ist das nur eine Erfindung von Studierenden, die wenig von der Geldmacht halten und sich viel von der Staatsmacht erwarten, obwohl gerade die ihnen das Leben so schwer macht.
Um Wissenschaft und Bildung als Ressource für Staat und Kapital soll es gehen auf der Diskussionsveranstaltung. Die Vorstellungen der Protestierenden stehen dabei auch auf dem Prüfstand.
23 Feb

In ihrer aktuellen Ausgabe macht die bsz einen folgenreichen Rechenfehler in der Bochumer Univerwaltung publik. Eine falsche Programmierung hat dafür gesorgt, dass den Fakultäten zwei Semester lang fehlerhafte Beträge aus dem zentralen Studiengebührentopf zugewiesen wurden. Die meisten Fakultäten haben zu wenig Geld bekommen, einige jedoch zu viel. Nun hat die Verwaltung den Fehler entdeckt und will die falschen Zahlungen ausgleichen. Besonders die Ostasienwissenschaften haben unwissentlich zu viel Geld erhalten – und ausgegeben. Die anstehende Kompensation des Verwaltungsfehlers stellt die Fakultät nun vor erhebliche Probleme.
Weitere Themen in der bsz:
Die bsz #862 ist im online-Archiv auch als pdf verfügbar: www.bszonline.de
14 Jan
Jura-Klausuren verschwunden
Schon in der Sommerpause zeichnete sich ab, dass in der Juristischen Fakultät Klausuren verschwinden, beschmiert oder beschädigt werden. Aufgrund unseres Einwirkens konnten die Probleme abgestellt und dem Datenschutz auch unter den Jurist_innen endlich Rechnung getragen werden.
Interkulturelles Abendessen
Am 2. September fand das jährliche interkulturelle Abendessen statt. Auch dieses Jahr kamen hunderte von Studierenden, um sich auszutauschen, viel zu essen und zu lachen oder einfach nur der Musik zu lauschen.
Antikriegstag als Nazifest?
Neonazis aus ganz Europa missbrauchten erneut den Antikriegstag am 4. September für ihr rassistische, antisemitische und antiamerikanische Progaganda. Wir unterstüzten die Gegendemonstrationen in Dortmund und boten zwei Vorträge zu den Ereignissen an.
Studiengebühren abschaffen
Nachdem sich die rot-grüne Minderheitsregierung in NRW gebildet hatte, wurde schnell klar, dass bald die Studiengebühren abgeschafft werden würden. Nach monatelangen Verhandlungen konnten sich Rot-Grün und die Linksfraktion einigen, zum Wintersemester 2011/12 die Gebühren abzuschaffen.
Wir als AStA haben uns für genauere Absprachen bereits mit der Ministerin getroffen und werden den Prozess weiterhin kritisch begleiten.
Neubau GD
Fast das ganze Jahr über beschäftigte den AStA der Neubau des Gebäudes GD. Ursprünglich sollte das neue Gebäude bis ins Landschaftsschutzgebiet hinein gebaut werden. Auf Druck des AStAs konnte das verhindert werden. Desweiteren wird das Gebäude nun höher und schmaler und vernichtet somit viel weniger Wald als vorher von der Uni geplant war. Zusätzlich konnten wir durchsetzen, dass die gefällten Bäume an anderer Stelle in fünffacher Menge wieder aufgeforstet werden müssen.
Geschlecht und Gesellschaft
Im Winter knüpfte auch die AG Geschlecht und Gesellschaft an ihre erfolgreiche Votragsreihe aus dem Vorjahr an. Ihre Themen waren u.a. sprachliche Gewalt, junge Frauen in der Popkultur oder Prekarisierungs-tendenzen.
Die Rote Ruhr-Uni (rru)
Im November fanden verschiedene Veranstaltungen der Roten Ruhr-Uni statt, u.a. zu Heideggers Seinsfrage, zu Adornos negativer Moralphilosophie oder zu den Maßstäben der Kapitalismuskritik. Im Januar setzt die rru ihr Programm fort.
CRITIX
In der jährlichen CRITIX-Reihe informierten wir u.a über arabischen Antisemitismus oder die Psychopathologie des Vernichtungskrieges.
Tief in den Osten
Am 1. Dezember fand der Bildervotrag einer Bochumerin statt, die von Bochum nach Sibirien und wieder zurück gefahren ist – und zwar mit dem Fahrrad! Für diese ca. 20.000 Kilometer benötigte sie 19 Monate.
Samba sí, Arbeit no!
Am 21. Dezember wurde es warm im verschneiten Bochum. Es ging um die Repräsentation Lateinamerikas im deutschen Schlager und wie dieser versucht mit rassistischen und sexistischen Klischees das deutsche Selbstbild zu stärken.
Castor schottern
In diesem Herbst rollten wieder Castor-Transporte durch das Wendland. Wir organisierten Voträge zu den Protesten gegen die Transporte und unterstützten die Demonstrationen vor Ort.
29 Sep
Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Ruhr-Universität-Bochum begrüßt weiterhin die geplante Abschaffung der Studiengebühren in ganz NRW. Die gezielte Dramatisierung der Gesetzesänderung durch einige HochschulvertreterInnen (siehe Ruhr-Nachrichten, 22.09.2010) wird von der Bochumer Studierendenschaft scharf kritisiert. Weder ist die Verteilung der Gebührengelder im Moment „hochdemokratisch“ organisiert, noch werden die Universitäten nach ihrem Wegfall finanziellen Schiffbruch erleiden.
Jammern auf hohem Niveau
„Stimmen aus den Universitätsverwaltungen verbreiten das Gerücht, dass den Hochschulen nicht genügend Geld zur Verfügung stehen wird, wenn die Gebühren nicht mehr erhoben werden. Aber das ist einfach falsch“, kommentiert Jan Keitsch, AStA-Vorsitzender der RUB die umstrittenen Äußerungen. Selbstverständlich werden die wegfallenden Summen aus Landesmitteln kompensiert. Trotzdem heißt es von Frau Wilkens, Prorektorin für Lehre an der RUB, das Verteilungsmodell nach Studierenden in der Regelstudienzeit habe zur Folge, dass einige Fachbereiche der RUB weniger Geld als vorher erhalten würden. „Das mag rein rechnerisch stimmen. Fakt ist jedoch, dass große Anteile der Gebührengelder für Dinge, wie eine neue Bestuhlung oder für Wettbewerbe, ausgegeben wurden, die unserer Meinung nach nicht zur Verbesserung der Qualität der Lehre beitrugen.“ Diese unnötigen Ausgaben wurden oft getätigt, da die Fakultäten aufgrund des Überschusses nicht mehr wussten, wie sie die Mittel nach den Maßgaben des Studienbeitrags- und Hochschulmittelgesetzes verwenden sollten.
Demokratie als Auslegungsfrage
Ein anderes Argument der GebührenbefürworterInnen besagt, dass die besonders demokratisch geregelte Mitbestimmung der Studierenden bei der Mittelvergabe verloren gehen würde, wenn die Gebühren durch reguläre Landesmittel ersetzt werden. Auch diese Schutzbehauptung geht weit an den universitären Realitäten der Gegenwart und Zukunft vorbei: „Mal ganz abgesehen davon, dass die Mittelvergabe an der RUB in der Realität nicht demokratisch funktioniert, sieht die Landesregierung ja vor, dass die Studierenden mindestens 50% der Gremien besetzen sollen, die das Geld in den Universitäten verteilt”, berichtet Nico Antweiler aus dem AStA-Referat für Hochschul- und Bildungspolitik.
Studiengebühren sind und bleiben unsozial
Weiterhin kritisiert der AStA die Behauptung, die Finanzierung der Studiengebühren sei sozial verträglich geregelt: „Studiengebühren sind schlicht unsozial, da sie den Zugang zur Bildung von der finanziellen Lage des Einzelnen abhängig machen”, so Denise Welz, AStA-Referentin für Öffentlichkeitsarbeit. „Daran ändert auch das Bafög nichts, da es ebenfalls vom Geldbeutel der Eltern abhängt.” Studierende, die im Studium vom Land finanziell unterstützt werden, sind eher selten. „Diese Misere wurde noch dadurch verstärkt, dass dem Stipendienprogramm, welches nur einige wenige, ohnehin schon Privilegierte unterstützen kann, Vorrang vor einer Bafög-Erhöhung für alle gegeben wurde.”
„Can’t Buy Me Love!“
Das wohl absurdeste Pro-Gebühren-Argument ist jedoch, dass die Bindung der Studierenden an ihre Hochschule durch die Abschaffung der Studiengebühren abnehme. „Gerade die RUB hat die Umstellung auf das Bachelor-Master-System als eine der ersten Universitäten forciert und mittlerweile viele Zulassungsbeschränkungen für die Masterstudiengänge eingeführt”, so Jan Keitsch. „Daraus könnte man eher schließen, dass die Universitätsverwaltung ihre Studierenden lieber früher als später los werden möchte.”
Angewandter Zwang
Kritisch sieht allerdings auch der AStA die Verteilung der Ausgleichsmittel des Landes an Hand der Studierenden in der Regelstudienzeit: „Wir befürchten, dass die Universitätsverwaltung härtere Prüfungsordnungen durchsetzen wird, damit mehr Studierende in der Regelstudienzeit fertig werden. Ein Beispiel dafür ist die Prüfungsordnung des Faches Angewandte Informatik, die sogenannte Malus-Punkte vergibt, wenn Studierende Klausuren mit einem Ergebnis von unter 30% abschließen. Wer zu viele Malus-Punkte sammelt, wird zwangsweise exmatrikuliert. Der erste Fall ist gerade erst eingetreten”, so Karsten Finke, Öffentlichkeitsreferent des AStA.
27 Jul
Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) an der Ruhr-Universität reagiert empört auf Aussagen des Ruhr-Uni-Pressesprechers Josef König. Dieser hatte gegenüber verschiedenen Zeitungen behauptet, dass Studiengebühren die studentische Mitbestimmung förderten und ihre Abschaffung einen Identifikationsverlust mit sich brächte. „Die studentische Mitbestimmung bei der Verteilung der Studiengebühren ist ein schlechter Witz“, kommentiert der AStA-Vorsitzende Jan Keitsch die Ausführungen. „In vielen Fällen hatten Studierende faktisch keine Wahl, gegen geplante Ausgaben zu stimmen, da sie von der Fakultät erpresst wurden.“
Zahlreiche studentische Mitglieder in Fakultäts- und Fachschaftsräten sind gleichzeitig Angestellte eines Lehrstuhls und so in einem unmittelbarem Abhängigkeitsverhältnis. „Autonome Entscheidungen im Sinne der Studierenden werden auf diese Weise gezielt verhindert“, kritisiert Keitsch. „Eine wirklich demokratische Teilhabe der Studierenden sieht anders aus und darf nicht an unsoziale Gebühren gekoppelt werden.“
Auch die Behauptung, eine Identifikation mit der Uni entstehe erst durch das Bezahlen der Studiengebühren, stößt auf Unverständnis. „Eine Universität ist eine Bildungseinrichtung, die eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe erfüllt. Identifikation entsteht durch gemeinsames Lernen und Forschen, nicht durch das Bezahlen des Menschenrechts auf Bildung“, so der AStA-Vorsitzende.
Das Rektorat der Ruhr-Universität spricht sich trotz der Vorwürfe der Studierenden und des Versprechens der Landesregierung, die Studiengebühren komplett zu kompensieren, weiterhin für das Bezahlstudium ab dem ersten Semester aus. Die Studierendenvertretung fordert dagegen seit der Einführung der Gebühren ihre vollständige Abschaffung.
15 Mai
Jan Keitsch, der Vorsitzende des AStA der Ruhr Universität Bochum, hält nichts von Studiengebühren und antwortet in seinem Gastkommentar Stefan Winter. Der Professor an der Ruhr Universität hatte gestern erläutert, warum er Studiengebühren aus sozialen Gründen befürwortet. Jan Keitsch studiert seit 2007 Religionswissenschaft und Philosophie und ist Mitglied von Bündnis90/Die Grünen.
Befürworterinnen und Befürworter von Studiengebühren stehen spätestens seit vergangenem Sonntag mit dem Rücken zur Wand. CDU und FDP – die als einzige Parteien weiter an Studiengebühren festhalten wollen – wurden in Nordrhein-Westfalen abgewählt. Ob es zum von Konservativen und Neoliberalen gefürchteten Rot-rot-grünen Bündnis kommt, ist zwar noch ungewiss: Die Studiengebühren in NRW stehen allerdings auf der Kippe.
Damit hatten wohl auch Stefan Winter und seine Kolleginnen und Kollegen der Bochumer Wirtschaftwissenschaft gerechnet und bereits im Vorfeld eine alte Studie aufgewärmt, die die Erhebung der Studienbeiträge als „sozial gerecht und geboten“ bezeichnet. Mit Wissenschaft hat die „Studie“ jedoch wenig zu tun. Stattdessen werden die Leitideen ausgeschlachtet, die Noch-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart bereits seit Jahren predigt.
Kein Wunder also, dass der „wirtschaftswissenschaftliche“ Vorstoß an der Uni mit Unverständnis und Wut aufgenommen wurde. Schließlich müssen viele Studierende, die ohnehin häufig unter Hartz-IV-Niveau leben, für die Studiengebühren hart arbeiten. Das aktuelle Kreditsystem ist unsozial und sorgt dafür, dass die, die sich die Beiträge nicht direkt leisten können, dank Zinsen am Ende fast 250 Euro pro Semester mehr zahlen müssen. Zwar zeigt Winter auf, welche Alternativen es zum aktuellen Kreditmodell gibt – Vorteile gegenüber einer Gebührenfreiheit sind allerdings nicht zu erkennen, Nachteile dafür umso mehr.
Die Erhebung der Studiengebühren ist bereits jetzt ein bürokratischer Aufwand sondergleichen, der große Geldmengen verschlingt. Wenn jetzt noch die individuelle Förderung sozial Schwächerer statt einer generellen Gebührenfreiheit eingeführt werden soll, wächst das bürokratische Monster weiter an. Die Folge: Intransparenz der Entscheidungen und somit das weiterhin bestehende finanzielle Risiko für angehende Studierende. Der Abschreckungsfaktor Studiengebühren bleibt gewaltig, wenn sozial Schwächere letztlich nur in zu überprüfenden Einzelfällen gefördert werden.
Die wirkliche Alternative zu Studiengebühren ist die vollständige Finanzierung der Hochschulen aus Steuermitteln. Winter moniert, dass so auch die Personen für Unis zahlen müssen, die diese niemals von innen gesehen haben. Er bezieht sich dabei eindeutig nicht nur auf die Menschen, die mit geringer Bezahlung und ohne Aufstiegschancen „Akademikerkinder“ finanzieren müssen, sondern auch auf die, die ohne ein Studium viel verdienen.
Wer also viel verdient, aber nie die Leistungen einer Universität in Anspruch genommen hat, soll diese laut Winter also auch nicht in diesem Maße mitzufinanzieren haben. Mit dieser Logik müssten Autofahrer auch eine Steuererleichterung erhalten, da sie die subventionierten öffentlichen Verkehrsmittel nicht nutzen. Winters Studie zielt also ganz klar darauf ab, das Solidarprinzip im Bildungssystem abzuschaffen. Wer Bildung nutzt, soll gefälligst auch dafür bezahlen.
Dass viele Studiengänge jedoch eine wirtschaftlich derart unsichere Zukunft bedeuten, dass die Aufnahme von „Bildungsschulden“ mehr als riskant erscheint, sieht Winter offenbar nicht als Problem. Seine Studie kommt zu dem Schluss, dass es erstrebenswert sei, dass durch Studiengebühren immer mehr junge Menschen in Fächer wechseln, die „individuell rentabel“ sind. Fächer wie Philosophie oder auch Sozialarbeit dürfen laut der Studie also gerne aussterben. Bewertet wird nur anhand marktwirtschaftlicher Rentabilität.
Einen weiteren fadenscheinigen Grund für die Beibehaltung von Studiengebühren sieht Winter in der laut seiner Argumentation aus Gebühren entstehenden Mitbestimmung der Studierenden. Da es sich um ihr Geld handelt, dürfen sie auch mitentscheiden, was damit passiert. Dass dies in der Praxis nicht immer passiert, ist Winter natürlich bekannt. Die Studierenden sind starken Sachzwängen ausgesetzt und haben oft keine Wahl, gegen eine von der Fakultät gewollte Ausgabe der Geldmittel zu stimmen.
Mit der Taktik, „entweder durch Studiengebühren oder gar nicht“, sollen Studis dazu gedrängt werden, grundlegende Aspekte der Lehre aus Gebührenmitteln zu zahlen. Hinzu kommt oftmals ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Studierenden in Fakultätsräten und den Professorinnen und Professoren. Wer seinen Job als studentische Hilfskraft nicht verlieren will, stimmt besser nicht gegen den eigenen Chef. Besonders dann nicht, wenn dieser einem die Wichtigkeit eines bestimmten Projekts – auch im Hinblick auf das eigene Beschäftigungsverhältnis – nahe gelegt hat. Studentische Mitbestimmung muss unabhängig von solchen Sachzwängen existieren können. Die Realität sieht aber anders aus. Im Senat stellen Studierende nur vier von insgesamt 25 Sitzen, die professorale Fraktion stellt 13 Personen. Rein faktisch haben Studierende auf dieser Ebene also keinerlei Mitbestimmungsmöglichkeiten.
Auch die Entscheidungskompetenzen der gewählten Studierendenvertretung sind mehr als begrenzt.
Denn ginge es nach den Studierenden, wären Gebühren schon längst Geschichte bzw. nie eingeführt wurden. Sowohl eine Urabstimmung vor Einführung allgemeiner Studiengebühren als auch die Ergebnisse der jährlichen Studierendenparlamentswahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Zum dritten Mal in Folge wurde in diesem Jahr ein Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA) gewählt, der Bildungsgebühren von der Kita bis zur Hochschule in jeder Form ablehnt und gleichzeitig für die gleichberechtigte demokratische Teilhabe aller Statusgruppen an der Uni kämpft. Es bedarf keiner Studiengebühren, damit Studierende gleichberechtigt mit Profesorinnen und Professoren sowie den Angestellten in Mittelbau und Verwaltung die Uni gestalten können. Ohne den zusätzlichen finanziellen Druck wird es Studierenden sogar deutlich leichter fallen, sich stärker gestaltend einzubringen. Und letztlich zeichnet sich ein Studium doch gerade auch durch Selbstständigkeit und Gestaltungskraft aus.
http://www.ruhrbarone.de/ohne-wenn-und-aber-studiengebuhren-sind-unsozial/
12 Mai
Am Montag veröffentlichten neun Wirtschaftswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler an der Ruhr-Universität eine Studie, die Studiengebühren als „sozial gerecht“ und „geboten“ bezeichnet. Das Wahlergebnis vom Sonntag bietet zwar bis heute keine Gewissheit darüber, wie die neue Landesregierung zusammengesetzt sein wird: Klar ist aber, dass Studiengebühren in NRW nach der Wahl wieder auf der Kippe stehen. Die Studie zeichnet ein düsteres Bild für eine Zukunft ohne Studiengebühren. Die Studierenden sind empört und bezeichnen die Ausführungen als „unwissenschaftlich“.
Arbeiter_innen zahlen für Akademiker_innen?
Kern der Studie ist die Behauptung, sozial Schwächere Arbeiterinnen und Arbeiter müssten nach Abschaffung der Gebühren das Studium „reicher“ Akademikerkinder mitbezahlen. „Es wird völlig ignoriert, dass durch einen angepassten Steuersatz Besserverdienende natürlich einen größeren Anteil zahlen als Geringverdiener“, so der AStA-Vorsitzende Jan Keitsch. „Durch Studiengebühren werden dagegen die massiv benachteiligt, die ihre Studiengebühren nur durch einen Kredit bezahlen können.“ Berechnet man die Zinsen, die Studierende für ihren Kredit zahlen, wachsen die Gebühren von 480 auf rund 750 Euro pro Semester an.
Studiengebühren bleiben sozial ungerecht!
„Untersuchungen zeigen, dass zahlreiche Studienberechtigte aufgrund der Gebühren erst gar kein Studium beginnen. Diese stammen natürlich überwiegend aus sozial schwächeren Familien“, führt Keitsch weiter aus. „Dieser Umstand wird in der Studie sogar begrüßt. Bildung als Menschenrecht wird so vollkommen ausgehöhlt. Das ist politisch unverantwortlich und in dieser Form auch ganz einfach unwissenschaftlich.“
5 Mai
Campus und Karriere, 06.05.2010, Katja Gohsmann und Corinna Weiß
Bochum. Die Studiengebühren stehen auf der Kippe, bei den Koalitionsverhandlungen wird sich ihr Schicksal entscheiden. Die Wirtschaftswissenschaftler der RUB haben nun ein drei Jahre altes Thesenpapier überarbeitet und öffentlich gemacht: Studiengebühren sind sozial gerecht und sollten erhalten bleiben.
Kurz nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ist der Streit um das Gratis-Studium in vollem Gange. Universitätsverwaltungen rechnen vor, mit vielen Ausfällen sie rechnen müssten, würden die Studiengebühren wieder abgeschafft. An der Ruhr-Universität Bochum (RUB) betrugen die Einnahmen aus den Studiengebühren im vergangenen Jahr 26 Millionen Euro, wie Sprecher Josef König erklärte. Dagegen sind die Allgemeinen Studierenden-Ausschüsse (AStA) in der Regel anderer Meinung. Beim AStA der Uni Duisburg-Essen beispielsweise steht die Hoffnung auf die finanzielle Entlastung der Studenten im Vordergrund: „Wir begrüßen alle politischen Bestrebungen, die eine Abschaffung der Studienbeiträge zur Folge haben.“
Mitten in diese Debatte platzt nun ein Thesenpapier der Bochumer Wirtschaftswissenschaftler. Darin betrachten sie Studiengebühren rein ökonomisch und kommen zu dem Schluss: „Studiengebühren sind sozial gerecht und geboten.“ Erstellt haben die Wissenschaftler das Papier, in dem sie Argumente gegen Studiengebühren vorstellen und anschließend auseinandernehmen, bereits vor drei Jahren. „Damals herrschte eine große Unsicherheit über den Sinn von Studiengebühren, sowohl an der Uni als auch im Ministerium“, sagt ihr Wortführer Prof. Stefan Winter. Nun sei die Diskussion im Wahlkampf wieder aufgeflammt, so dass sich das Team zu einer Überarbeitung entschlossen habe. „Wir wollen damit auch deutlich machen, was Gebühren an der Uni bewirken können“, sagt Winter, und nennt als Beispiel seinen Lehrstuhl, der 1,5 Mitarbeiterstellen mehr habe und auch zusätzliche Seminare anbieten könne.
Die vielfach geforderte Abschaffung der Studiengebühren sei daher keine Lösung für das Bildungssystem, in dessen Hochschulen deutlich mehr Studenten aus reicheren als aus armen Familien sitzen. „Vom kostenlosen Studium profitieren vor allem die Wohlhabenden, da sie diesen Bildungsweg ohnehin mehr nutzen.“ Aus staatlicher Umverteilungssicht sei Gebührenfreiheit genauso unsinnig wie der verminderte Mehrwertsteuersatz auf Lebensmittel. Dieser komme eben nicht nur den sozial Schwachen, sondern vor allem den Besserverdienenden zu Gute. Und da sie auch für Lebensmittel mehr ausgäben, würden sie pro Kopf mehr gefördert als die Schwachen.
Die aber, die nicht studieren und durchschnittlich ein niedriges Lebenseinkommen haben, finanzierten darüber hinaus über ihre Steuern die Ausbildung der reicheren Studenten mit. So entstehe eine faktische Umverteilung von unten nach oben, auf die schon Karl Marx hingewiesen habe.
Damit aber auch Kindern aus Arbeiterhaushalten der Sprung an die Uni gelingt, wollen die Wissenschaftler Studenten individuell fördern. Sie schlagen ein flächendeckendes Kreditsystem zur Gegenfinanzierung vor, bei dem die Möglichkeit besteht, die Rückzahlung einkommensabhängig zu gestalten und ärmeren Hochschul-Absolventen den Kredit sogar komplett zu erlassen. Das soll auch die Studenten, die Angst vor einem Schuldenberg zum Berufsstart haben und zudem ihre Jobaussichten noch nicht einschätzen können, zum Studium animieren.
Der generelle Verzicht auf Studiengebühren hat laut Winter mehrere Nachteile – vor allem mit Blick auf die Globalisierung der Arbeitswelt: „So laden wir weltweit zur Plünderung ein.“ Menschen aus dem Ausland könnten kostenlos in Deutschland studieren. „Aber anschließend geben wir ihnen keine Aufenthaltsgenehmigung und jagen sie aus dem Land.“ Außerdem wanderten derzeit vor allem deutsche Mediziner nach England und Skandinavien ab – die Kosten für ihr teures Studium zahlen sie laut Winter dann eben nicht über ihre Steuern in Deutschland zurück. „Da die europäische Hochschulpolitik explizit auf eine Erhöhung der internationalen Mobilität ausgerichtet ist, entzieht gerade diese Politik selbst der Gebührenfreiheit ihre Legitimation“, heißt es im Thesenpapier.
Die Wissenschaftler erkennen an, dass der Verzicht auf Gebühren das Studium gerade für ärmere Abiturienten zunächst attraktiv erscheinen lässt. „Allerdings hatten wir 60 Jahre lang keine Gebühren und trotzdem setzte und setzt sich der überwiegende Teil der Studenten aus besser situierten Familien zusammen.“
Blieben die Studiengebühren auch bei der neuen Landesregierung erhalten, würden sich langfristig rentable und weniger rentable Studienfächer, die dann mit einem Rückgang der Studentenzahlen rechnen müssten, herausbilden. Das ist von den Wissenschaftlern aber durchaus gewollt: „Keine Volkswirtschaft kann es sich auf Dauer leisten, in erheblichem Maß in die Bereitstellung von Studiengängen zu investieren, die negative Bildungsrenditen erzeugen.“ Es wäre das Aus für viele der sogenannten „Orchideen-Fächer“ wie Skandinavistik oder Ökotrophologie.
Das Wort „Gerechtigkeit“ hört Stefan Winter in der aktuelle Debatte um Studiengebühren oft. Er gibt zu bedenken: „Wer fördert eigentlich die Menschen, die es nicht bis zur Uni schaffen?“
4 Mai
BOCHUM Im heißen Protest-Herbst, den die Ruhr-Universität vergangenes Jahr erlebt hat, forderten die Studierenden auch eine Reform der Bachelor-Studiengänge. Jetzt verkündet das Rektorat: Alle Studiengänge seien unter Einbeziehung der Studierenden eingehend überprüft worden. Voll zufrieden sind die Studierenden trotzdem nicht. Von Max Florian Kühlem, 04.05.2010.
Bei einer Diskussion mit Rektor Elmar Weiler forderten die protestierenden Studierenden im Januar im Audimax unter anderem die Abschaffung der Anwesenheitspflicht. (Foto: Kühlem)
“Wo läuft etwas richtig, wo ist etwas verbesserungswürdig?” So bringt Uta Wilkens, Prorektorin für Lehre, das Erkenntnisinteresse der Universitätskommission Lehre (UKL) auf den Punkt. In den letzten Monaten hat die UKL alle Bachelorstudiengänge eingehend geprüft und Entwicklungsprofile mit allgemeinen und spezifischen Empfehlungen erarbeitet.
Zentrale Forderungen
Die zentralen Forderungen der Studierenden im Bildungsstreik waren die Abschaffung der Anwesenheitspflicht und die Entschlackung der als “übervoll” empfundenen Lehrpläne. Auf beide Punkte wurde zumindest teilweise reagiert. So erarbeitete die UKL eine Empfehlung für alle Fakultäten, die wahrscheinlich als Maßgabe des Rektorats übernommen wird: Die Anwesenheitspflicht soll bereits im Wintersemester zumindest für Vorlesungen komplett abgeschafft werden. Dozenten, die den Besuch ihrer Vorlesungen für unerlässlich halten, sollen diese beispielsweise als Aufzeichnung im Internet anbieten, so dass sie flexibel besucht werden können.
Kompetenzentwicklungsziele
“So schaffen wir Anwesenheitspflichten nicht einfach ab, sondern stellen sicher, dass jeder Studierende selbstständig am Wissenserwerb partizipieren kann”, sagt Wilkens. Für die Kompetenzentwicklungsziele in Seminaren und Übungen sei aktive Teilnahme jedoch oft unerlässlich.
Die Entschlackung der Studiengänge läuft vor allem über Selbstverpflichtungen der Fakultäten: So wird die Prüfungsdichte in einigen Fächern reduziert. “Außerdem sollen Wahlbereiche auch als solche belassen werden und von Studierenden nicht etwa mit Sprachkursen belegt werden, die sie als Voraussetzung für das Studium brauchen”, so Wilkens. Das führe zu mehr Freiheit, auch über den Tellerrand des Fachs zu blicken.
Arbeitsgruppen
Die Einbindung der Studierenden in die Reform des RUB-Bachelors lief vor allem über Arbeitsgruppen der jeweiligen Fachschaften. Bis zum 30. April sollten sie ihre Konzepte einreichen. Lange nicht alle Fachschaften haben davon Gebrauch gemacht: Teils, weil dies “zu wenig Zeit ist, ein ganzes Studiensystem zu erneuern”, wie Sina Wunderlich von der Fachschafts-VertreterInnen-Konferenz informiert. Teils, “weil die Konzepte einfach in der Uni-Verwaltung verschwanden”, wie AStA-Vorsitzender Jan Keitsch weiß.
Keine Diskussion
“Das Problem ist, dass man keine generellen Kritikpunkte zulasse”, sagt Keitsch. Über die Abschaffung der Studiengebühren werde nach wie vor gar nicht diskutiert und das Thema Anwesenheitspflicht werde viel zu zögerlich angegangen. Zum Thema übervolle Studienordnungen sagt er: “Viele Unis haben ihre Bachelor-Studiengänge relativ unbürokratisch auf sieben oder acht Semester ausgeweitet.” An der Ruhr-Universität ist so eine Lösung nicht in Sicht. Prorektorin Wilkens sieht die Statistik auf ihrer Seite: “Noch nie haben so viele Studierende in Regelstudienzeit abgeschlossen.”
http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/bochum/Bachelor-Reform-gestartet-Studierende-weiter-kritisch;art932,897534
29 Apr
Am Dienstag, den 4.5.2010 findet im HZO 20 um 16 Uhr eine Podiumsdiskussion zum Thema „Sind Studiengebühren irgendwann gar nicht mehr abzuschaffen?“ statt.
Am kommenden Dienstag organisiert der AStA der Ruhr-Uni eine Podiumsdikussion mit dem Thema „Sind Studiengebühren irgendwann gar nicht mehr abzuschaffen?“
Bildungsstreik fortsetzen!
Falls die amtierende Schwarz-Gelbe Koalition in Düsseldorf am 9. Mai wiedergewählt wird, dürften die Studiengebühren wohl weiterhin erhoben werden. Die bereits angestoßenden Veränderungen im Bildungssystem könnten im Sande verlaufen. Die berechtigte Kritik wird weiterhin an Schwarz-Gelb abprallen. Die Bildungsstreikproteste werden dann natürlich unvermindert fortgeführt werden und die Frage wird sein, ob sich die Proteste radikalisieren oder nicht.
Falls jedoch eine andere Landesregierung an die Macht kommt, die Studiengebühren vielleicht abschafft, werden die Proteste trotzdem weitergehen.
Bildung ist mehr als Studiengebühren!
Wenn die Studiengebühren fallen sollten, gibt es noch viel mehr, was am Bildungssystem verändert werden muss.
Von der Kita, über die Schule bis hin zur Hochschule muss alles kostenlos zur Verfügung stehen. Die Institutionen müssen demokratisch organisiert werden; das Ziel bleibt die Emanzipation des Individuums.
Kommt am 4.5.2010 zur Podiumsdiskussion um 16 Uhr ins HZO 20.