Studierendenvertretung an der RUB

AStA der Ruhr Uni Bochum

Montag kontrovers: Welternährung

Montag, 31. Oktober, 19 Uhr im KulturCafé

Vortrag & Diskussion zum Thema:

Welternährung

mit Kerstin Lanje (Referentin für Welthandel und Ernährung)

Paradoxerweise lebt fast die Hälfte der weltweit Hungernden dort, wo Lebensmittel erzeugt werden könnten. Kleinbauern sind die Verlierer eines Agrarhandelssystems, dem WTO, IWF und Weltbank eine Marktöffnung für billige Importe aus dem Norden verordnet haben.

So haben in Burkina Faso und Kamerun, aber auch in Bangladesch, subventionierte Exporte von Milchpulver aus der EU heimische Kleinbauern vom Markt verdrängt und den Aufbau eines Milchsektors behindert. Kerstin Lanje ist Referentin für Welthandel und Ernährung. Ihre Hoffnungen ruhen auf der wachsenden Anzahl von Menschen, die sich für einen nachhaltigen Konsum von Lebensmitteln einsetzen und dem Widerstand, der sich gegen die Agrar- und Handelspolitik der EU formiert.

Der Eintritt ist natürlich frei!

Das Semester hat begonnen und somit erwacht auch der Campus aus der Sommerpause. Neben Partys und Konzerten bietet der AStA wieder spannende Alternativen zum Lehrbetrieb der Uni. Ab kommenden Montag möchte die Studierendenvertretung eine weitere politische Veranstaltungsreihe etablieren: „Montag kontrovers“.

Im April kehrte „PolDi“ nach kurzer Abstinenz auf den Bochumer Campus zurück. Der wöchentlich stattfindende „politische Dienstag“ wurde ein voller Erfolg und lockte teilweise bis zu 100 Interessierte ins KulturCafé. „Dies hat uns gezeigt, dass die Studierenden ein großes Interesse haben, abseits von Credit Points und Lernstress politische und wissenschaftliche Veranstaltungen zu besuchen“, so Jan Keitsch, Öffentlichkeitsreferent im AStA und Initiator von Montag kontrovers. „Doch wir wollen nicht bloß an einem weiteren Abend Vorträge anbieten, sondern das Themenspektrum erweitern und durch Workshops sowie Diskussionsrunden die Studierenden einbinden.“

Gleichstellung, Ökologie & Hochschulpolitik

Am Montag, den 17. Oktober startet die Reihe um 19 Uhr im KulturCafé mit einer Veranstaltung über den „Arabischen Frühling“. Durch die aktuelle Brisanz des Themas und die Zusammenarbeit des AStA mit Studierenden in Tunesien entschied man sich für diesen Einstieg. Aber auch Hochschulpolitik soll eine große Rolle spielen und unabhängig von offiziellen Veranstaltungen der RUB breit diskutiert werden. So folgt bereits am 24. Oktober eine Diskussion zum Thema „Gleichstellung an der Hochschule“. Die studentische Gleichstellungsbeauftragte der Ruhr-Uni, Rita Thiessen, informiert über die Situation in Bochum und zeigt auf, welche verschiedenen Konzepte in Europa und weltweit angewendet werden, um die männerdominierte Wissenschaftslandschaft zu verändern. Ende November soll darüber nachgedacht werden, wie eine ökologische Hochschule aussehen kann. Ist es damit getan, erneuerbare Energien einzusetzen und bessere Wärmedämmung zu nutzen? Oder muss von der „Denkfabrik“ Universität mehr ausgehen, um gegen den Klimawandel zu arbeiten?

Friedlicher Jahresabschluss?

Zum Jahresende steht u.a. das Thema Friedenspolitik auf der Agenda. „Aber auch in der Weihnachtszeit ist eine lebendige Diskussion natürlich erwünscht“, erzählt der Öffentlichkeitsreferent des AStA. „Bei den Themen Israel-Palästina-Konflikt und Abrüstung sind hitzige Streitigkeiten wohl auch vorprogrammiert.“ Die Reihe soll Studierende zu einem Dialog ermutigen und wichtige Fragestellungen in der Studierendenschaft verankern. „Beim Thema Tierversuche gab es zum Beispiel bis in die Neunziger hinein eine breite Diskussion an der Uni. Fachschaftsräte haben sich eingeschaltet und das Thema auf breiter Basis diskutiert, dahin wollen wir zurück“, berichtet Jan Keitsch, der auch die Initiative „animal academy“ zur Überwindung von Tierversuchen gegründet hat. „Am 28. November wird sich Montag kontrovers diesem Thema annehmen und hoffentlich können wir die Studierenden stärker dafür sensibilisieren.“

Montag kontrovers startet am 17. Oktober und wird bis zum 16. Januar an jedem Montag des Semesters ab 19 Uhr im KulturCafé stattfinden.

Ökonomie und Natur:
Zwischen Inwertsetzung der Natur und Entwertung der Ökonomie
Einblicke und Ausblicke aus politisch-ökonomischer Sicht


Angesichts bisheriger ökonomischer Wachstumsausmaße und stofflicher Verbrauchsmengen sowie empirisch evidenter, ökologisch und sozial bedeutender Großkrisen wird die Suche nach Ursachen dieses gesellschaftlichen Naturverhältnisses, sowie Fragen nach einem anderen Gesellschaftssystem immer dringender. Der Vortrag thematisiert Zusammenhänge von Wachstum, Entropie, Wertlogik und Akkumulationsstrategien, um kapitalistische Ökonomien als naturdestruktive Wert-Stoff-Verbindungen identifizieren zu können.

Formkritik

Darauf aufbauend erfolgt eine Kritik an der Inwertsetzung von Natur, insbesondere als ökologische Reformstrategie, sowie die Vorstellung ökonomischer Eckpfeiler, die als systemtransformatorische Alternativen streitbar sein sollen. Im Gegensatz zu den auf Effizienzsteigerungen bzw. technikbasierten Lösungsvorschlägen aufbauenden Auswegen wird hierbei auf Grundlage einer ökonomischen Formkritik die Notwendigkeit eines radikalen Bruchs mit der auf Wertverhältnissen basierten Ökonomie als unumgänglich interpretiert.

Der Referent Dr. Athanasios Karathanassis ist Politik- und Sozialwissenschaftler. Er studierte am Otto-Suhr-Institut und promovierte am Soziologischen Institut der Freien Universität Berlin. Derzeit hat er Lehraufträge an der FU-Berlin und der Leibniz Universität Hannover. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Gesellschaftliche Naturverhältnisse, Politische Ökonomie, Globalisierung sowie Soziale Bewegungen im Postfordismus. Außerdem ist er interdisziplinärer Forschungskoordinator an der LU Hannover.

Datum: 20.01.2011

Ort: GBCF 05/703

Uhrzeit: 19 Uhr

Beide Veranstaltungen finden im Bahnhof Langendreer statt:

Mittwoch, 27.10., 19.30 Uhr, studio 108
Elmar Altvater: Der große Krach oder die Jahrhundertkrise von Finanzen und Natur

Den einen ist sie die schwerste Finanz- und Wirtschaftskrise in der Geschichte des Kapitalismus, anderen gilt sie inzwischen nur noch als fast schon überwundene “Rezession”, nach der man wieder das tun kann, was man vor der Krise getan hat und wodurch diese bewirkt wurde. Die CDU-FDP-Bundesregierung signalisiert, wie es geht: Die Banken unterstützen, den Reichen Steuern ersparen, Arme belasten. Elmar Altvater bezieht sich präzise auf die empirisch sichtbaren Verlaufsweisen dieser “Finanzmarktkrise” und den politischen Umgang mit ihr, aber er gibt sich nicht mit dem Augenschein zufrieden. In Kenntnis der bisherigen Literatur, die sich allzu häufig mit der reinen Schilderung von Phänomenen begnügte, entschlüsselt er in bekannt souveräner Weise die Ursachen dieser Krise. Diese umfasst sehr viel mehr als nur den Finanzsektor oder die Finanzspekulationen, sie betrifft in ihren Auswirkungen Arbeit und Geld, Energie, Klima und Ernährung und kommt letztlich aus dem Zentrum heutiger Gesellschaften.

Elmar Altvater ist Professor em. für Politikwissenschaft an der FU-Berlin, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von attac und Gründungsmitglied des Instituts Solidarische Moderne; zahlreiche Veröffentlichungen zur Frage der kapitalistischen Entwicklung, zur Staatstheorie, zur Entwicklungspolitik, Schuldenkrise und zum Zusammenhang von Ökonomie und Ökologie; soeben erschien “Der große Krach: oder die Jahrhundertkrise von Finanzen und Natur” im Verlag Westfälisches Dampfboot.

———————-

Freitag, 29.10., 19.30 Uhr, Raum 6
Klaus Jünschke: Jugendliche in Haft
Wo lernen Jugendliche am besten Brutalität? In Gefängnissen, die zum Teil noch aus der Kaiserzeit stammen.


Jugendkriminalität ist zu einem der wichtigsten innenpolitischen Themen der Bundesrepublik geworden. Bei PolitikerInnen ist das Thema beliebt, weil sich mit dem Ruf nach immer mehr Härte Handlungsfähigkeit demonstrieren lässt, ohne auch nur das Geringste gegen den Bildungs- und Ausbildungsnotstand zu tun. Die Jugendlichen selbst kommen in dieser Auseinandersetzung so gut wie gar nicht zu Wort.  Jugendkriminalität wird gerne als Unterschichtsproblem diskutiert. Damit wird versucht, die Verantwortung der Gesellschaft und Politik für Strukturen und Zustände aus der Diskussion zu halten.
Klaus Jünschke ist Journalist und gehört seit 1997 dem Beirat der JVA Köln-Ossendorf an, wo er sich um jugendliche Strafgefangene kümmert. Er veröffentlichte u.a. “Pop Shop. Gespräche mit Jugendlichen in Haft”. Hamburg 2007

http://www.jugendliche-in-haft.de/

Ab dem 27.10. wird im Kino-Cafe auch die Ausstellung „Menschen statt Mauern – für ein Europa ohne Jugendgefängnisse“ gezeigt.
In Zusammenarbeit mit dem Institut für Medienwissenschaft der Ruhr-Uni