AStA der Ruhr Uni Bochum
30 Jul
Für den 4. September 2010 mobilisieren die Dortmunder Neonazis erneut europaweit zum so genannten „Nationalen Antikriegstag”. Die seit 2005 jährlich stattfindende Demonstration ist für die extreme Rechte ein günstiger Anlass, um unter dem Deckmantel des „Pazifismus“ ihren Rassismus, Antisemitismus und Antiamerikanismus zu propagieren. Über diese Thematik informiert euch das Referat für Grund- und Freiheitsrechte des AStAs der Ruhr-Universität Bochum mit zwei Vorträgen:
Neonazis in Dortmund
Ort: GC 03/149 Datum: 10.08.2010 Uhrzeit: 19:00
Im Folgenden geht es primär um neuerliche Entwicklungen, sowohl bei den Neonazis, als auch bei der extremen Rechten auf parlamentarischer Ebene. Informiert wird über die allgemeine Beschaffenheit der Dortmunder Neonaziszene, deren Ursprung, personelle Konstitution, Arbeitsteilung sowie deren Verbindungen zur gewaltbereiten und gewaltsuchenden Fußballszene.
Auf zu neuen Taten!
Ort: GC 03/149 Datum: 18.08.2010 Uhrzeit: 19:00
Das S4-Bündnis, ein Zusammenschluss von Antifa- und anderen linken Gruppen, stellt sich vor. Als Nachfolger des S5-Bündnisses, steckt dieses Bündnis bereits seit dem letzten Jahr in den Vorbereitungen um das Nazi Event zu verhindern. Der Vortrag dient dazu, das Bündnis vorzustellen und einen Überblick über aktuelle Geschehnisse rund um den „Nationalen Antikriegstag“ zu geben.
Die Veranstalter_innen behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechten und/oder rassistischen Parteien, Organisationen oder Szenen angehören beziehungsweise bereits in der Vergangenheit durch rassistische, antisemitische, sexistische, homphobe oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.
28 Jun
01. Juli | 18.00 Uhr | HZO 80
Anne Waldschmidt (Köln)
Dass behinderte Menschen anders sind als “wir Normalen” (Erving Goffman), wird üblicherweise nicht auf gesellschaftliche Einflüsse zurückgeführt, sondern auf die gesundheitlichen Störungen und Abweichungen, die als objektiv feststellbare “Naturtatsachen” angesehen werden. Entsprechend wird von der kulturellen Universalität des Behinderungsphänomens ausgegangen und “Behinderung” (disability) wird zumeist umstandslos mit “Beeinträchtigung” (impairment) gleichgesetzt. Dagegen wird in der Genderdebatte davon ausgegangen, dass Geschlecht eine soziale Konstruktion ist und die beiden Dimensionen “sex” und “gender” sich wechselseitig durchdringen.
In jüngster Zeit haben die Disability Studies darauf aufmerksam gemacht, dass es auch im Falle von Behinderung keine unhintergehbare “Natur” gibt. Ihnen zufolge stellt erst die gemeinsame Assoziation mit Unvermögen und Anormalität die kollektive Identität von Menschen mit höchst vielfältigen körperlichen Erfahrungen und Fähigkeiten her. Behinderung ist keine fixe Kategorie, sondern ein eher unscharfer Oberbegriff, der sich auf eine bunte Mischung von unterschiedlichen körperlichen und kognitiven Merkmalen bezieht, die oft nichts anderes gemeinsam haben als das soziale Stigma der Begrenzung, Abweichung und Unfähigkeit. Im Anschluss an die Intersektionalitätsdebatte lässt sich zeigen, dass sich Geschlecht und Behinderung nicht als getrennte Kategorien gegenüber stehen, sondern vielmehr das Zusammenspiel von “sex” und “impairment”, “gender” und “disability” im Ergebnis eine Matrix ergibt: Alle vier Ebenen verweisen aufeinan-der und überschneiden sich; alle vier Ebenen, d.h. auch “sex” und “impairment” als vermeintlich natürliche Phänomene sind gesellschaftlich hergestellt. Die Logik der Wechselwirkungen wird offensichtlich von der Macht der Normalität bestimmt. und auch sie offenbart sich als ambivalent.
Vortrag der Veranstaltungsreihe Geschlecht und Gesellschaft
15 Jun

17. Juni | 18.00 Uhr | HZO 80
Anne Lenz/Laura Paetau (Berlin)
Was machen Feminist_innen heute? Und wie lassen sich Feminismus und Feminist_in sein heute praktisch denken? Dieser Frage widmen wir uns in der 2009 erschienenen Untersuchung Feminismen und ‚Neue Politische Generation’. Auf der Suche nach Handlungsräumen für Feminismen – außerhalb medialer popfeministischer Debatten – fragen wir nach Strategien und Zielen feministischer Aktivist_innen in Bezug auf ihre politische Praxis und Organisierung. Welche Theorie liegt der jeweiligen Praxis zugrunde? Welches Wirkungsfeld versuchen die Aktivist_innen zu erreichen und in welches intervenieren sie letztendlich? Inwiefern bestehen Perspektiven in Bezug auf die Politisierung der Geschlechterverhältnisse und was verstehen die interviewten Frauen und Männer unter dem „F-Wort“? Grundlage der Untersuchung ist eine empirische Erhebung, in der Aktivist_innen, organisiert in Berliner Gruppen, qualitativ befragt wurden. Die Interviews werden bezüglich der berichteten politischen Strategien mit- und gegeneinander diskutiert und geben einen breiten Eindruck über aktuellen, feministischen Aktivismus. Betrachtet werden sie dabei vorwiegend aus zwei Perspektiven: Zum einen ausgehend von der Subjektivität der befragten Person vor dem Hintergrund ihrer individuellen Geschichte und zum anderen in Bezug auf die der Untersuchung zugrunde liegenden Annahmen: Die neue deutsche Frauenbewegung, als explizit feministische Bewegung, hat sich bezüglich ihrer identitären Organisationsform von Frauen als Frauen und für Frauen sowie der daraus folgenden Manifestation von Geschlecht als „Hauptwiderspruch“ überlebt. Ungleichheit qua Geschlecht hingegen, in Form der Benachteiligung von Frauen sowie als binäre Kategorisierung, existiert – mal anders, mal sehr ähnlich den Widersprüchen der 70er Jahre – weiterhin. In Anlehnung an dieses „Erbe der Frauenbewegung“ reflektiert die Untersuchung den Aktivismus junger Feminist_innen und möchte Anregungen geben, was „Feminismus“ und “Feministin sein“ heute heißen kann.
Vortrag der Veranstaltungsreihe Geschlecht und Gesellschaft
7 Jun
10. Juni | 18.00 Uhr | HZO 80
Katharina Knüttel (Bochum)
War „der Körper“ lange Zeit eher eine randständige Erscheinung in der Soziologie, erfährt er seit den 1990er Jahren zunehmend wissenschaftliche Beachtung – einerseits als „Geschlechtskörper“ von Seiten der Gender Studies, andererseits aber auch in der Entwicklung einer allgemeinen Körpersoziologie. Als „weiblicher Körper“ war er bereits zuvor vielfacher politischer Bezugspunkt in den neuen Frauenbewegungen. Nach einer kurzen Vorstellung ausgewählter theoretischer Zugänge soll anhand einiger Beispiele ausgeleuchtet werden, welche Rolle Körper in der (Re-)Produktion miteinander verwobener Machtdimensionen wie Geschlecht, Klasse und „race“ spielen, um anschließend Anknüpfungspunkte für eine politische Praxis diskutieren zu können.
Vortrag der Veranstaltungsreihe Geschlecht und Gesellschaft
27 Mai
Mittwoch, 2. Juni | 11:00 Uhr s.t. – 16:30 Uhr | IC-Gebäude, Etage 3, Raum 161 | Ruhr-Universität Bochum
Freud ist alles andere als ein »toter Hund«. Auch wenn sich die zeitgenössische Psychologie von seinen abenteuerlichen sexuellen Einfällen wie dem Penisneid des Weibes oder dem Ödipuskomplex zu distanzieren pflegt, so will doch so gut wie keiner dem »Unbewussten«, die wissenschaftliche Berechtigung absprechen. Im Gegenteil, nicht nur bei der Erklärung von Ausländerfeindlichkeit und Jugendgewalt spielen aggressionstheoretische, triebökonomische oder ethno-psychoanalytische Erklärungsmuster eine prominente Rolle. Zum psychologischen Allgemeingut geworden ist auch die triebökonomische Deutung staatlich organisierter Kriege als Ausdruck menschlicher Aggressivität oder des menschlichen Todestriebes. Der Erziehungswissenschaftler Michael Brumlik, der 2006 durch seine Freud-Biographie bekannt geworden ist, erblickt in den arabischen Selbstmordattentaten einen Beleg für die ungebrochene Aktualität des Todestriebes. In den Attentaten vereinigen sich seiner psychoanalytischen Deutung zufolge beide Momente des Todestriebes: die Tendenz der Selbstzerstörung mit dem Urtrieb, andere Mitglieder der menschlichen Gesellschaft aus dem Leben zu befördern. Auch die moderne Hirnforschung, namentlich vertreten durch Gerhard Roth, knüpft an die Kategorie des von empirisch-erfahrungswissenschaftlich orientierten Psychologen als Metaphysik verworfenen freudianischen Unbewussten an und versucht diesem eine naturwissenschaftliche Basis zu verleihen.
Wie schließlich die Antisemitismusforschung belegt, ist auch der freudianisch inspirierte Psychomarxismus der Frankfurter Schule keineswegs unmodern geworden und erfreut sich insbesondere in antideutschen Kreisen großen Zuspruches, wenn es darum geht, mit Adorno- und Horkheimer-Zitaten nach dem sado-masochistischen Ursprung des deutschen National-Charakters zu forschen. Adorno und Co hatten – wie selbst bei ihren Anhängern bis heute überwiegend unbekannt ist – den Antisemitismus als „autoritäre Aggression“ aus der sadistischen Komponente des autoritären Charakters abgeleitet und damit dem Judenhass eine unerlässliche psychische Entlastungsfunktion für den Seelenhaushalt des Untertanen attestiert.
An den Theorien von Freud und der Frankfurter Schule soll im Rahmen des Seminars aufgezeigt werden, welche systematischen Fehlerklärungen von Krieg, faschistischen Antisemitismus und staatsbürgerlichem Gehorsam die Kategorienwelt der Psychoanalyse (Ich, Es und Überich, Projektion, Identifikation etc). erbringt und welchen politisch-legitimatorischen Nutzwert psychoanalytische Erklärungsmuster besitzen.
27 Mai
Dienstag, 1. Juni | 19:30 Uhr | KulturCafé, Ruhr-Universität Bochum

Der Untertitel ist Programm. Er beinhaltet die zentrale These der von Albert Krölls vorgelegten Kritik der Psychologie. Danach besteht die unbestreitbare Leistung der psychologischen Weltanschauung in der erfolgreichen Selbstmanipulation des schwierigen Willens zum Glück in einer Gesellschaft, die für die große Mehrheit ihrer Mitglieder die wenig lohnende Lebensperspektive der abhängigen Arbeit vorsieht. Die Kunst der Glücksfindung besteht demgemäß darin, die eigenen Erwartungen an die Welt an deren harte Realitäten anzupassen und umgekehrt die Anforderungen der sozialen Wirklichkeit als Bewährungsprobe für sich und seine werte Persönlichkeit zu betrachten und in der Erfüllung seiner gesellschaftlichen Pflichten seine Selbstverwirklichung zu suchen.
Der psychologisch gebildete Mensch, der seinen materiellen Misserfolg nicht den Prinzipien der Konkurrenzgesellschaft, sondern sich selbst und seiner mangelnden »Erfolgsfähigkeit« zuschreibt, macht sich geistig frei von der Befassung mit den seine Existenz regierenden ökonomischen und politischen Interessen, für deren Erfolg er als Arbeitnehmer, Erziehungsberechtigter und Soldat einzustehen hat. Wer vom Wunsch beseelt ist, von der gesellschaftlichen Umwelt den Wert der eigenen Person bestätigt zu erhalten, ist umgekehrt von einem grundsätzlichen Verständnis für alle Zumutungen erfüllt, die ihm Staat und Ökonomie des demokratischen Kapitalismus auferlegen. Wer sich die psychologische Sichtweise der Welt und seiner dienstbaren Rolle in ihr zu Eigen macht, der entspricht also in idealer Weise dem Anforderungsprofil des demokratisch-kapitalistischen Staatsbürgers. Seine Unterwerfung unter die Zwänge der bürgerlichen Gesellschaft erscheint als Akt der Freiheit, als Verwirklichung gelungener Subjektwerdung.
Die Wissenschaft der Psychologie liefert für dieses Bedürfnis eine sachadäquate Theorie des Willens. Dieser Theorie zufolge ist der Wille des Menschen keinesfalls das einfache Resultat seiner Absichten und Beschlüsse. Vielmehr ist sein Handeln determiniert durch innere und äußere Bedingungen: Triebe, Reiz-Reaktions-Mechanismen, Dispositionen, Verhaltensmuster, Umwelteinflüsse etc. Ihr Wissen um die geheimen Wirkkräfte der Seele gewinnen Psychologen vornehmlich dadurch, dass sie die Handlungen der Subjekte in deren »seelisches Innenleben« reflektieren und das praktische Tun als Äußerung der inneren Möglichkeit dazu bestimmen. So erklären sie auf mustergültig tautologische Weise das Reich der menschlichen Aktivitäten durch ebenso viele gleichnamige Antriebe: den Krieg und andere Gewalttätigkeiten aus einem Aggressionstrieb, die Ausübung von Macht aus dem Machtstreben u.s.w.
Mit dieser Bestimmung des Willens als abhängiger Variable eines Ensembles innerer und äußerer Wirkkräfte erteilt die Psychologie dem Menschen zugleich einen umfassenden Steuerungsauftrag. Derselbe Mensch, eben noch als willenloser Spielball psychischer Impulse definiert, soll nunmehr als Konfliktmanager der widersprüchlichen Ansprüche fungieren, welche seine innere Dispositions- oder Motivationslage und die äußere Welt an ihn erheben. Er soll im Kampf mit sich selbst sein seelisches Gleichgewicht herstellen, ein Programm, das seit Freud unter dem psychologischen Namen einer gelungenen Ich-Bildung bekannt ist. Jedenfalls dazu soll der Rest an Wille und Verstand, den die Psychologie dem Menschen zugesteht, noch zu gebrauchen sein.
Die systematische Darstellung dieses Zusammenhangs zwischen den Erklärungsmustern der psychologischen Weltanschauung und ihrem Gebrauchswert für die kapitalistische Konkurrenzgesellschaft bildet das Leitthema des Vortrags. Im Rahmen eines exemplarischen Durchganges durch die pluralistische Welt psychologischer Theorien werden die verschiedenen Ansätze darauf hin untersucht, welche besonderen Beiträge sie zum psychologischen Programm der Anpassung des bürgerlichen Konkurrenzsubjektes an seine gesellschaftliche Heimat erbringen, worin ihr politisch-legitimatorischer Gehalt besteht und auf welchen systematischen Fehlern der wissenschaftlichen Theoriebildung diese gesellschaftliche Nützlichkeit gründet.
10 Mai
Thematisierung von Männlichkeit(en), Mackertum & (Anti-)Sexismus
Vom 13. bis zum 16. Mai findet im Autonomen Zentrum Mülheim die Veranstaltungsreihe “Macker Massaker” u.a. mit freundlicher Unterstützung des AStA Bochum statt.
Das Macker Massaker wird einen Raum schaffen, um sexistisches Verhalten offenzulegen und zu kritisieren. Es soll erarbeitet werden, inwiefern Mackertum mit Männlichkeit zusammenhängt oder ob mackeriges Verhalten unabhängig von Gender zu betrachten ist. Männlichkeit(en) mit ihren Privilegien, Rollenzuschreibungen, Nach- und Vorteilen sollen (selbst-)kritisch reflektiert und antisexistische Praxis gefördert werden. Mit dem Namen „Macker Massaker“ wollen wir in selbstironischer Weise das Martialische an Männlichkeiten herausstellen, von dem wir uns aber nicht in elitärer Weise freisprechen können und wollen, da sich letztlich auch Wut auf Mackerverhalten im „Massaker“ ausdrückt und wir das Martialische somit selbst reproduzieren. (aus der Selbstdarstellung)
Hier gibt es außerdem eine Programm-Übersicht und eine Orga-Seite mit Infos zu Essen, Schlafplätzen etc.
10 Mai
Am Dienstag, den 18. Mai veranstaltet das COUNTER CURRICULUM einen Vortrag mit Helge Buttkereit zum Thema “Utopische Realpolitik – Die Neue Linke in Lateinamerika”. Er stellt sein gleichnamiges Buch im KulturCafé vor und stellt sich dann der Diskussion; die Veranstaltung beginnt um 19:30 Uhr.

»Die Neue Linke in Lateinamerika gibt der Welt neue Hoffnung. Die Vorgänge in Venezuela, Bolivien, Ecuador oder Chiapas (Mexiko) zeigen beispielhaft, dass gegenüber einem vollends kapitalistisch formierten Erdball noch nicht das letzte Wort gefallen ist. Sie regen, richtig verstanden und analysiert, zu praktischer Kritik an den überholten Prinzipien der erstarrten alten Linken an und zeigen – auch für die Situation in Westeuropa – neue Wege auf. Es gelingt der Neuen Linken ganz im Sinne Che Guevaras, realistisch zu bleiben und dabei das Unmögliche zu versuchen.
Hugo Chávez, Evo Morales und Rafael Correa, aber auch Subcomandante Marcos sind, so die These des Buches, utopische Realpolitiker. Sie haben sich gemeinsam mit ihrer jeweiligen Basis auf den Weg gemacht, eine wirklich andere Welt möglich zu machen, in der nicht das Kapital, sondern der sich befreiende Mensch und seine allseitige Entfaltung im Mittelpunkt stehen wird – wenn die Bewegungen Erfolg haben.
Helge Buttkereit fasst in diesem Buch erstmals die unterschiedlichen aktuellen Bewegungen in einer Studie zusammen, arbeitet die Prinzipien von Selbstorganisation, solidarischer Ökonomie und neuem Internationalismus heraus und widmet sich auf Grundlage neuer und alter Überlegungen dem »Sozialismus im 21. Jahrhundert«.«
4 Mai
“Nichts gelernt und nichts vergessen” – Geschichte und Zukunft des Antizionismus in Deutschland (mit Joachim Bruhn)
Eine Veranstaltung des Referats für Grund- und Freiheitsrechte des AStA der RUB
Irgendwann zwischen der Wannsee-Konferenz und der Gründung Israels verliert der Hass auf die Juden jedwede Geschichte. Danach gab es keine Antisemiten mehr: weil alle es sind. Der Antisemitismus wird zum logischen wie zum historischen Apriori, zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins der Deutschen. Was immer sich seitdem auch ereignet hat – es spiegelt den prinzipiellen Stillstand der Geschichte, den Bann, die Angstlust der erpreßten Versöhnung. So findet auch der Hass auf die Juden, egal, ob antisemitisch oder antizionistisch ausgebrüllt, keine neuen Worte mehr, sondern gehorcht einem manischen Wiederholungszwang, dessen Vokabular in den Werken Adolf Hitlers gesammelt vorliegt. Es ist sein “Politisches Testament” vom 29. April 1945, das seitdem abgearbeitet wird, sein letzter Wille, dem “internationalen Judentum und seinen Helfern” den totalen Krieg zu erklären und dafür immer wieder aufs Neue im deutschen Staat die so klassenübergreifende wie die Klassen in sich aufhebende Volksgemeinschaft zu verschweißen, d.h. das Mordkollektiv, das in erlogener präventiver Notwehr dagegen sich erheben solle, daß “die Völker Europas wieder nur als Aktienpakete dieser internationalen Geld- und Finanzverschwörer angesehen werden”. 1989, als die Wiedervereinigung der Antisemiten (BRD), die genötigt worden waren, mit Israel sich zu arrangieren, mit den Antizionisten (DDR), denen es nur erlaubt war, die Juden in Form der ›Zionisten‹ zu hassen, unvermeidlich wurde, waren alle formellen Bedingungen der deutschen Souveränität wiederhergestellt, die es möglich machen, Hitlers Testament doch noch zu vollstrecken, d.h. die HaShoah durch ihre Vollendung, Überbietung und restlose Vollstreckung an Israel ungeschehen zu machen: Der Rechtsnachfolger rüstet sich auf, der Gesellschaftsnachfolger zu sein. Denn erst der Tag, an dem es die Juden, außer in Geschichtsbüchern, niemals gegeben haben wird, wird der Tag der vollendeten “Deutschen Revolution” (Goebbels) gewesen sein. So trifft das paradoxe Resümee jetzt erst zu, das Eric Voegelin 1964 aus dem Verhältnis der Deutschen zu Hitler zog: “Nichts gelernt und nichts vergessen.” Es ist diese irrsinnig redundante, penetrante Permanenz des Nullpunkts materialistischer Aufklärung, in dem der Wiederholungszwang sich breitmacht. – Es spricht Joachim Bruhn (Freiburg), Co-Autor u.a. des Buches der Initiative Sozialistisches Forum “Furchtbare Antisemiten, ehrbare Antizionisten. Israel und die linksdeutsche Ideologie”
Eine Veranstaltung des autonome FrauenLesbenReferat des AStA der Ruhr-Universität Bochum
Angela Steidele liest aus ihrem Buch “Geschichte einer Liebe: Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens”
Adele Schopenhauer – Schriftstellerin, Künstlerin, die Schwester des Philosophen Arthur Schopenhauer – und die »Rheingräfin« Sibylle Mertens-Schaafhausen verband eine leiden-schaftliche Liebesbeziehung mit den dazugehörigen Höhen und Tiefen. Seit 1828 waren sie ein Paar: »am besten vergleichst Du uns ein paar Leuten, die sich spät finden und dann einander heiraten. Stürbe sie – so spräng ich jetzt in den Rhein, denn ich könnte nicht ohne sie bestehen«, schrieb Adele ihrer Freundin Ottilie von Goethe. Sibylle Mertens war eine der gebildetsten Frauen ihrer Zeit, Musikerin, Komponistin, Archäologin, Antikensammlerin und Mäzenin. Ihre Salons in Bonn und Rom waren berühmt. Vom Vater an einen ungeliebten Mann verheiratet, pflegte sie Zeit ihres Lebens intensive Beziehungen zu Frauen. Adeles Leben mit Sibylle Mertens wurde so nicht nur von deren Ehemann und ihren sechs Kindern beeinträchtigt, die ihre Beziehung als »Unrecht, Wahnwitz, Tollheit« torpedierten. Auch Sibylles Hang zu neuen Eroberungen ebenso wie ihre enge Freundschaft zu Annette von Droste-Hülshoff lasteten schwer auf Adele. Aber selbst nach einer mehrjährigen Trennung fanden sie wieder zusammen. Anhand vieler bisher unveröffentlichter Quellen erzählt Angela Steidele die Geschichte zweier Unge- wöhnlicher Frauen: Pionierinnen, die in Wissenschaft und Kultur, Wirtschaft, Politik und nicht zuletzt in ihrem Privatleben Grenzen einrissen – zu einer Zeit, als es Liebe zwischen Frauen offiziell gar nicht geben durfte.