Studierendenvertretung an der RUB

AStA der Ruhr Uni Bochum

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) an der Ruhr-Universität reagiert empört auf Aussagen des Ruhr-Uni-Pressesprechers Josef König. Dieser hatte gegenüber verschiedenen Zeitungen behauptet, dass Studiengebühren die studentische Mitbestimmung förderten und ihre Abschaffung einen Identifikationsverlust mit sich brächte. „Die studentische Mitbestimmung bei der Verteilung der Studiengebühren ist ein schlechter Witz“, kommentiert der AStA-Vorsitzende Jan Keitsch die Ausführungen. „In vielen Fällen hatten Studierende faktisch keine Wahl, gegen geplante Ausgaben zu stimmen, da sie von der Fakultät erpresst wurden.“

Zahlreiche studentische Mitglieder in Fakultäts- und Fachschaftsräten sind gleichzeitig Angestellte eines Lehrstuhls und so in einem unmittelbarem Abhängigkeitsverhältnis. „Autonome Entscheidungen im Sinne der Studierenden werden auf diese Weise gezielt verhindert“, kritisiert Keitsch. „Eine wirklich demokratische Teilhabe der Studierenden sieht anders aus und darf nicht an unsoziale Gebühren gekoppelt werden.“

Auch die Behauptung, eine Identifikation mit der Uni entstehe erst durch das Bezahlen der Studiengebühren, stößt auf Unverständnis. „Eine Universität ist eine Bildungseinrichtung, die eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe erfüllt. Identifikation entsteht durch gemeinsames Lernen und Forschen, nicht durch das Bezahlen des Menschenrechts auf Bildung“, so der AStA-Vorsitzende.

Das Rektorat der Ruhr-Universität spricht sich trotz der Vorwürfe der Studierenden und des Versprechens der Landesregierung, die Studiengebühren komplett zu kompensieren, weiterhin für das Bezahlstudium ab dem ersten Semester aus. Die Studierendenvertretung fordert dagegen seit der Einführung der Gebühren ihre vollständige Abschaffung.

An der Ruhr-Universität sorgt eine Entscheidung des Rektorats für Kopfschütteln: Um einen einzelnen Professor in Bochum zu halten, soll das philosophische Institut in zwei voneinander unabhängige Institute aufgespalten werden. Die Studierendenvertretung befürchtet höhere Kosten, schlechtere Studienorganisation und Kürzungen beim bisherigen Institut. Auch die wissenschaftlichen MitarbeiterInnen der Philosophie protestieren.

„Vordergründig sieht die Aufspaltung der Philosophie erstmal wie schnöde Geldverschwendung aus“, erklärt Jan Keitsch, Vorsitzender des Allgemeinen Studierenden Ausschuss (AStA) der Ruhr- Universität Bochum. „Während alle über Bürokratieabbau sprechen, sollen in der Bochumer Philosophie zukünftig zwei Direktoren und zwei Geschäftsstellen bezahlt werden. Mittelfristig befürchten wir aber viel weitergehende Einschnitte für die Studierenden und Beschäftigen. Zwei philosophische Institute an der Ruhr-Uni sind nicht besonders sinnvoll, und selbst die Verfassung der Uni legt fest, dass für gleiche oder verwandte Fächer nur eine wissenschaftliche Einrichtung gebildet werden soll. Bei zukünftigen Kürzungsrunden könnte das bisherige Institut weiter geschwächt und letztendlich ganz abgewickelt werden.“

Protest der wissenschaftlichen MitarbeiterInnen

Die Aufspaltung des Instituts soll schon zum kommenden Wintersemester umgesetzt werden. Der AStA kritisiert, dass die einschneidende Änderung überstürzt und gegen den Willen vieler Betroffener beschlossen wurde. So erheben die wissenschaftlichen MitarbeiterInnen des Instituts in einer einstimmig beschlossenen Stellungnahme schwerwiegende Einwände. Sie bezeichnen die Entscheidung als „sachlich unbegründeten Eingriff in die Struktur des Instituts“, der dem fachlichen Profil der Bochumer Philosophie schade.

Individualinteressen vor Gesamtkonzept

Wieso soll das Institut aufgeteilt werden, wenn die wissenschaftlichen MitarbeiterInnen dagegen sind und selbst die Verfassung der Universität anderes nahelegt? Ausschlaggebende Ursache sind die Verhandlungen der Unileitung mit dem Philosophie-Professor Albert Newen. Um dessen Weggang an die Universität Bielefeld zu verhindern, hat ihm RUB-Rektor Elmar Weiler das neue Institut angeboten, das die von ihm verfolgten Forschungsschwerpunkte bearbeiten soll. Darüber hinaus wurde ihm auch die Leitung dieser Einrichtung angetragen. „Für schnöde Personalpolitik wird mal eben schnell die Struktur eines ganzen Instituts umgekrempelt – das ist erstaunlich und bundesweit einmalig“, sagt Lars Laute, Referent für Kritische Wissenschaften vom AStA der Ruhr- Universität Bochum. „Wir fordern, dass Strukturentscheidungen im Interesse der Studierenden getroffen werden, und nicht nach dem Willen einzelner Professorinnen und Professoren.“

Vollendete Tatsachen statt Diskussion

Die Entscheidung zur Spaltung wurde ohne Rücksprache mit den betroffenen Studierenden, MitarbeiterInnen und ProfessorInnen gefällt. Bereits im Vorfeld hatte sich das Rektorat in die Neubesetzung vakanter Lehrstühle eingemischt und eigenmächtig gegen den Willen des Instituts
Personalentscheidungen getroffen. Besonders die Studierenden werden durch die Spaltung in eine prekäre Lage gedrängt. Die Aufteilung der Gelder und Stellen müssten neu verhandelt werden. Der Promotionsstudiengang, der bisher einen fruchtbaren Austausch zwischen den Doktoranden aller philosophischer Richtungen ermöglicht hatte, würde ebenfalls aufgespalten werden.

Der AStA fordert den Rektor auf, seine Entscheidung zur Spaltung des philosophischen Instituts zurückzunehmen. Der Beschluss gegen den Willen der Betroffenen besitzt keine demokratische Legitimation und birgt große Unsicherheiten für die Studentinnen und Studenten.

Affen, Theater und Rudelgucken

Tierversuche gehören an der Ruhr-Universität immer noch zum Forschungsalltag. Um dies zu ändern, hat das AStA-Referat für Ökologie und Verkehr eine Unterschriftensammlung gestartet – in der Hoffnung, dass Rektor Weiler eine Weisung erteilt, die unzweckmäßigen Versuche an den Affen, Tauben und Nagern in den  Laboren der RUB zu beenden (zum Artikel). Fußball und Patriotismus –zwei Dinge, die in den Tagen der Weltmeisterschaft zueinander finden und die Nation  in ein „wir“ und „die anderen“ spaltet. Die bsz war beim Public Viewing und erzählt in ihrer „Frontberichterstattung“, wie gereizt die Stimmung beim deutschen 0:1 gegen Serbien war. Der Alte ist auch der Neue: Elmar Weiler kann auf seinem Rektorensessel sitzen bleiben. Die :bsz hinterfragt die erwartbaren Ergebnisse. In der Stadt war und ist einiges los. Vergangene Woche schlug das studentische Theaterfestival megaFON erstmals in der Bochumer Innenstadt seine Bühnen auf – mit Erfolg. Im Kunstmuseeum ist zurzeit eine Ausstellung über moderne islamische Kunst zu sehen. Um dorthin zu gelangen, könnte man den neuen Fahrradleihservice der Metroradruhr nutzen. Zu guter Letzt untersucht die bsz eine Studie zu Gewalterfahrungen im Zusammenhang mit Migration und die Typologie des Grillens.

Presseinformation der studentischen Senatsfraktion zur Senatssitzung am 17. Juni 2010

Auf der Senatssitzung am Donnerstag, den 17. Juni 2010 wurde die Wahl des Rektors Elmar Weiler vom Senat der Ruhr- Universität Bochum (RUB) bestätigt. Mit einem überraschendem Ergebnis von nur 14 Ja – Stimmen haben sich die Senatorinnen und Senatoren dem Votum des Hochschulrates angeschlossen und somit eine zweite Amtszeit des Rektors Weiler eingeleitet. Aus Kritik an dem durch die neue Gesetzgebung in NRW vorgegebenen Verfahren, dass die Hochschulleitung neuerdings durch einen Hochschulrat gewählt und durch den Senat nur noch bestätigt werden kann, haben sich die studentischen Vertreter_innen bei der Abstimmung enthalten.

Ergebnis knapper als erwartet

Bei der Bestätigung zur  Wiederwahl zum Rektor an der RUB konnte Herr Weiler mit vierzehn Ja-Stimmen ein nur sehr knappes Ergebnis erzielen. Es gab 3 Gegenstimmen und insgesamt 7 Enthaltungen. Dies kann nicht als deutlicher Vertrauensausspruch für die Personalie Weiler gesehen werden. Der Rektor selber merkte hierzu nur an, dass er in seiner kommenden Amtszeit versuchen werde, die Kritiker_innen umzustimmen und von seiner Arbeit zu überzeugen.

Die studentische Fraktion enthält sich bei der Stimmabgabe

Die studentischen Vertreterinnen und Vertreter haben sich bei der Wahl geschlossen enthalten. Allerdings ging es ihnen dabei nicht um eine Kritik an der Personalie Weiler selbst, sondern um das durch das Hochschulfreiheitsgesetz in NRW festgelegte Verfahren zur Wahl der Hochschulleitung. Das Hochschulfreiheitsgesetz schreibt vor, dass der Rektor einer Universität nun durch den Hochschulrat im Vorhinein bestimmt wird und vom Senat dann anschließend nur noch bestätigt werden kann.Sollte sich der Senat gegen eine Bestätigung entscheiden, kann der Hochschulrat diese jedoch immer noch eigenständig und gegen das Votum der Senator_innen vornehmen. Die Studierenden sehen hier eine krasse Einschränkung in der Selbstverwaltung der Universitäten und weisen auf ein massives Demokratiedefizit hin. „ Die sogenannte Wahl des Rektors im Senat hat nichts mehr mit einem demokratischen Prozess zu tun, sondern könnte maximal als Meinungsabfrage betrachtet werden“ sagt Katharina Teiting Mitglied der Senatsfraktion.  „Wir wollten uns weder für noch gegen Weiler positionieren, da dies in unseren Augen eine Akzeptanz der Entmachtung der universitären Gremien bedeutet hätte,“ so Teiting weiter.

Realitätsferne Empfehlungen

Die Universitätskommission für Lehre hat die Bachelorstudiengänge an der Ruhr-Uni anhand verschiedener Statistiken geprüft – nur die Stimme der Studierenden wurde bislang noch nicht vernommen. In Zukunft soll es noch Gespräche zwischen Studierenden und der Prorektorin für Lehre geben. Kein Grund, nicht schon einmal vorab Empfehlungen an die Fakultäten abzugeben, welche die eigentlichen Probleme aber nicht lösen werden. (Zum Artikel.) Neben dieser Nachricht aus dem Rektorat ist diese Woche die Erhöhung der Sitzungsentschädigung für den Bochumer Hochschulratsvorsitzenden Jürgen Schlegel Thema in der Bochumer Stadt- und Studierendenzeitung. Ein netter Zugewinn, wie auch der Vergleich mit seinen weniger gut bezahlten Kolleginnen und Kollegen an anderen deutschen Unis zeigt. Von einem Rat zum andern: Bei QVC, einem der größten Arbeitgeber für Studierende in Bochum, stehen die Wahlen zum Betriebsrat an. Die bsz erklärt, warum es gerade in diesem Jahr wichtig ist, auch hier sein Kreuzchen mit Bedacht zu machen. (Zum Artikel.) Auch in dieser Woche kommen Kultur und Unterhaltung nicht zu kurz. Die bsz war beim Bochumer Newcomer Festival und hat zudem im Bahnhof Langendreer neben Pogo tanzen auch bei Turbostaat nachgefragt, wie es so ist, bei MTV zu laufen. (Zum Artikel.) Nicht nur Pogo, auch Stricken gibt’s im neuen Kölner AZ. Die bsz war da und hat sich umgeschaut. Von Köln zurück nach Bochum auf die Biennale „Musik und Kultur der Synagoge“, die noch bis Mitte Juli jüdische Kultur mit Ausstellungen, Konzerten und vielem mehr in Bochum vorstellt. Zu guter Letzt noch die Kolumne über die Umbennungsmanie an und um unsere(r) Uni herum. Die bsz #828 erscheint in gedruckter Fassung am Mittwoch, den 12. Mai. Online ist die Ausgabe auch als pdf-Datei verfügbar.

Campus und Karriere, 06.05.2010, Katja Gohsmann und Corinna Weiß

Bochum. Die Studiengebühren stehen auf der Kippe, bei den Koalitionsverhandlungen wird sich ihr Schicksal entscheiden. Die Wirtschaftswissenschaftler der RUB haben nun ein drei Jahre altes Thesenpapier überarbeitet und öffentlich gemacht: Studiengebühren sind sozial gerecht und sollten erhalten bleiben.

Kurz nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ist der Streit um das Gratis-Studium in vollem Gange. Universitätsverwaltungen rechnen vor, mit vielen Ausfällen sie rechnen müssten, würden die Studiengebühren wieder abgeschafft. An der Ruhr-Universität Bochum (RUB) betrugen die Einnahmen aus den Studiengebühren im vergangenen Jahr 26 Millionen Euro, wie Sprecher Josef König erklärte. Dagegen sind die Allgemeinen Studierenden-Ausschüsse (AStA) in der Regel anderer Meinung. Beim AStA der Uni Duisburg-Essen beispielsweise steht die Hoffnung auf die finanzielle Entlastung der Studenten im Vordergrund: „Wir begrüßen alle politischen Bestrebungen, die eine Abschaffung der Studienbeiträge zur Folge haben.“

Mitten in diese Debatte platzt nun ein Thesenpapier der Bochumer Wirtschaftswissenschaftler. Darin betrachten sie Studiengebühren rein ökonomisch und kommen zu dem Schluss: „Studiengebühren sind sozial gerecht und geboten.“ Erstellt haben die Wissenschaftler das Papier, in dem sie Argumente gegen Studiengebühren vorstellen und anschließend auseinandernehmen, bereits vor drei Jahren. „Damals herrschte eine große Unsicherheit über den Sinn von Studiengebühren, sowohl an der Uni als auch im Ministerium“, sagt ihr Wortführer Prof. Stefan Winter. Nun sei die Diskussion im Wahlkampf wieder aufgeflammt, so dass sich das Team zu einer Überarbeitung entschlossen habe. „Wir wollen damit auch deutlich machen, was Gebühren an der Uni bewirken können“, sagt Winter, und nennt als Beispiel seinen Lehrstuhl, der 1,5 Mitarbeiterstellen mehr habe und auch zusätzliche Seminare anbieten könne.

Flächendeckendes Kreditsystem gefordert

Die vielfach geforderte Abschaffung der Studiengebühren sei daher keine Lösung für das Bildungssystem, in dessen Hochschulen deutlich mehr Studenten aus reicheren als aus armen Familien sitzen. „Vom kostenlosen Studium profitieren vor allem die Wohlhabenden, da sie diesen Bildungsweg ohnehin mehr nutzen.“ Aus staatlicher Umverteilungssicht sei Gebührenfreiheit genauso unsinnig wie der verminderte Mehrwertsteuersatz auf Lebensmittel. Dieser komme eben nicht nur den sozial Schwachen, sondern vor allem den Besserverdienenden zu Gute. Und da sie auch für Lebensmittel mehr ausgäben, würden sie pro Kopf mehr gefördert als die Schwachen.

Die aber, die nicht studieren und durchschnittlich ein niedriges Lebenseinkommen haben, finanzierten darüber hinaus über ihre Steuern die Ausbildung der reicheren Studenten mit. So entstehe eine faktische Umverteilung von unten nach oben, auf die schon Karl Marx hingewiesen habe.

Damit aber auch Kindern aus Arbeiterhaushalten der Sprung an die Uni gelingt, wollen die Wissenschaftler Studenten individuell fördern. Sie schlagen ein flächendeckendes Kreditsystem zur Gegenfinanzierung vor, bei dem die Möglichkeit besteht, die Rückzahlung einkommensabhängig zu gestalten und ärmeren Hochschul-Absolventen den Kredit sogar komplett zu erlassen. Das soll auch die Studenten, die Angst vor einem Schuldenberg zum Berufsstart haben und zudem ihre Jobaussichten noch nicht einschätzen können, zum Studium animieren.

Zu viele Studenten wanderten ab

Der generelle Verzicht auf Studiengebühren hat laut Winter mehrere Nachteile – vor allem mit Blick auf die Globalisierung der Arbeitswelt: „So laden wir weltweit zur Plünderung ein.“ Menschen aus dem Ausland könnten kostenlos in Deutschland studieren. „Aber anschließend geben wir ihnen keine Aufenthaltsgenehmigung und jagen sie aus dem Land.“ Außerdem wanderten derzeit vor allem deutsche Mediziner nach England und Skandinavien ab – die Kosten für ihr teures Studium zahlen sie laut Winter dann eben nicht über ihre Steuern in Deutschland zurück. „Da die europäische Hochschulpolitik explizit auf eine Erhöhung der internationalen Mobilität ausgerichtet ist, entzieht gerade diese Politik selbst der Gebührenfreiheit ihre Legitimation“, heißt es im Thesenpapier.

Die Wissenschaftler erkennen an, dass der Verzicht auf Gebühren das Studium gerade für ärmere Abiturienten zunächst attraktiv erscheinen lässt. „Allerdings hatten wir 60 Jahre lang keine Gebühren und trotzdem setzte und setzt sich der überwiegende Teil der Studenten aus besser situierten Familien zusammen.“

Blieben die Studiengebühren auch bei der neuen Landesregierung erhalten, würden sich langfristig rentable und weniger rentable Studienfächer, die dann mit einem Rückgang der Studentenzahlen rechnen müssten, herausbilden. Das ist von den Wissenschaftlern aber durchaus gewollt: „Keine Volkswirtschaft kann es sich auf Dauer leisten, in erheblichem Maß in die Bereitstellung von Studiengängen zu investieren, die negative Bildungsrenditen erzeugen.“ Es wäre das Aus für viele der sogenannten „Orchideen-Fächer“ wie Skandinavistik oder Ökotrophologie.

Das Wort „Gerechtigkeit“ hört Stefan Winter in der aktuelle Debatte um Studiengebühren oft. Er gibt zu bedenken: „Wer fördert eigentlich die Menschen, die es nicht bis zur Uni schaffen?“

http://www.derwesten.de/nachrichten/campus-und-karriere/Bochumer-Professoren-halten-Studiengebuehren-fuer-sozial-gerecht-id2950097.html

BOCHUM Im heißen Protest-Herbst, den die Ruhr-Universität vergangenes Jahr erlebt hat, forderten die Studierenden auch eine Reform der Bachelor-Studiengänge. Jetzt verkündet das Rektorat: Alle Studiengänge seien unter Einbeziehung der Studierenden eingehend überprüft worden. Voll zufrieden sind die Studierenden trotzdem nicht. Von Max Florian Kühlem, 04.05.2010.

Bei einer Diskussion mit Rektor Elmar Weiler forderten die protestierenden Studierenden im Januar im Audimax unter anderem die Abschaffung der Anwesenheitspflicht.  (Foto: Kühlem)

“Wo läuft etwas richtig, wo ist etwas verbesserungswürdig?” So bringt Uta Wilkens, Prorektorin für Lehre, das Erkenntnisinteresse der Universitätskommission Lehre (UKL) auf den Punkt. In den letzten Monaten hat die UKL alle Bachelorstudiengänge eingehend geprüft und Entwicklungsprofile mit allgemeinen und spezifischen Empfehlungen erarbeitet.

Zentrale Forderungen

Die zentralen Forderungen der Studierenden im Bildungsstreik waren die Abschaffung der Anwesenheitspflicht und die Entschlackung der als “übervoll” empfundenen Lehrpläne. Auf beide Punkte wurde zumindest teilweise reagiert. So erarbeitete die UKL eine Empfehlung für alle Fakultäten, die wahrscheinlich als Maßgabe des Rektorats übernommen wird: Die Anwesenheitspflicht soll bereits im Wintersemester zumindest für Vorlesungen komplett abgeschafft werden. Dozenten, die den Besuch ihrer Vorlesungen für unerlässlich halten, sollen diese beispielsweise als Aufzeichnung im Internet anbieten, so dass sie flexibel besucht werden können.

Kompetenzentwicklungsziele

“So schaffen wir Anwesenheitspflichten nicht einfach ab, sondern stellen sicher, dass jeder Studierende selbstständig am Wissenserwerb partizipieren kann”, sagt Wilkens. Für die Kompetenzentwicklungsziele in Seminaren und Übungen sei aktive Teilnahme jedoch oft unerlässlich.

Die Entschlackung der Studiengänge läuft vor allem über Selbstverpflichtungen der Fakultäten: So wird die Prüfungsdichte in einigen Fächern reduziert. “Außerdem sollen Wahlbereiche auch als solche belassen werden und von Studierenden nicht etwa mit Sprachkursen belegt werden, die sie als Voraussetzung für das Studium brauchen”, so Wilkens. Das führe zu mehr Freiheit, auch über den Tellerrand des Fachs zu blicken.

Arbeitsgruppen

Die Einbindung der Studierenden in die Reform des RUB-Bachelors lief vor allem über Arbeitsgruppen der jeweiligen Fachschaften. Bis zum 30. April sollten sie ihre Konzepte einreichen.  Lange nicht alle Fachschaften haben davon Gebrauch gemacht: Teils, weil dies “zu wenig Zeit ist, ein ganzes Studiensystem zu erneuern”, wie Sina Wunderlich von der Fachschafts-VertreterInnen-Konferenz informiert. Teils, “weil die Konzepte einfach in der Uni-Verwaltung verschwanden”, wie AStA-Vorsitzender Jan Keitsch weiß.

Keine Diskussion

“Das Problem ist, dass man keine generellen Kritikpunkte zulasse”, sagt Keitsch. Über die Abschaffung der Studiengebühren werde nach wie vor gar nicht diskutiert und das Thema Anwesenheitspflicht werde viel zu zögerlich angegangen. Zum Thema übervolle Studienordnungen sagt er: “Viele Unis haben ihre Bachelor-Studiengänge relativ unbürokratisch auf sieben oder acht Semester ausgeweitet.”  An der Ruhr-Universität ist so eine Lösung nicht in Sicht. Prorektorin Wilkens sieht die Statistik auf ihrer Seite: “Noch nie haben so viele Studierende in Regelstudienzeit abgeschlossen.”

http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/bochum/Bachelor-Reform-gestartet-Studierende-weiter-kritisch;art932,897534

Im Herbst will Prof. Elmar Weiler als Rektor der Ruhr-Universität wiedergewählt werden. Dazu stellt er sich am Donnerstag (15. April) den Fragen von allen interessierten Universitäts- angehörigen, also auch von uns Studierenden. Wenn ihr Herrn Weiler schon immer mal etwas fragen wolltet, könnt ihr dieses am Donnerstag um 12:30 Uhr im HZO50 tun.

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  • Quasi über Nacht hat das Rektorat der Ruhr-Universität die Befreiung von Studiengebühren für StellvertreterInnen in Gremien abgeschafft. Das berichtet die Bochumer Stadt- & Studierendenzeitung in ihrer neuen Ausgabe. Nicht einmal der AStA wurde über diesen Verwaltungsakt informiert und so vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Befreiung ist für aktive Mitarbeit in den Gremien jedoch bitter nötig – denn die Doppelbesetzung von Gremien erlaubt den Studierenden, den strengen Anwesenheitspflichten in den Bachelor- und Masterstudiengängen nachzukommen. Zum Artikel.

    Weitere Themen sind die Kriminalisierung des Dresdner Anti-Nazi-Bündnisses, die Ergebnisse der Wahlen zum Studierendenparlament sowie ein Hintergrundartikel über die zunehmende Polizeipräsenz auf dem RUB-Campus. Die bsz als pdf-Ausgabe gibt es hier.

    Volles Programm im Audimax!

    Auch kurz vor Weihnachten sind die Studierenden der Ruhr-Uni noch nicht protestmüde. Im besetzten Audimax finden bis zu den Ferien weiterhin interessante Veranstaltungen statt. So stellt sich diesen Donnerstag ab 12 Uhr Rektor Elmar Weiler bei einer Podiumsdiskussion im Audimax den kritischen Fragen der Studierenden.

    Außerdem hat der Arbeitskreis “alternative Lehre” viele interessante Vorträge vorbereitet.

    Das Programm:

    Donnerstag, 17. Dezember
    16 – 18 Uhr: 10 Jahre Bologna-Prozess – Entwicklung und Perspektiven der Bologna-Erklärung (Jörg Menden)
    18 – 20 Uhr: Was ist eine Universität? (Prof. Dr. Ulrike Haß)

    Freitag, 18. Dezember
    16 – 18 Uhr: Mathematik für Nicht-MathematikerInnen (Moritz Schulte)
    18 – 20 Uhr: Zur Kritik der politischen Ökonomie des Ausbildungswesens – warum Argumente gegen die Universität nötig sind

    Montag, 21. Dezember
    14 – 16 Uhr: Massengesellschaft Seriengesellschaft – Beobachtungen zum Schwund des 20. Jahrhunderts (Sebastian Kirsch)
    16 – 18 Uhr: Grundsätze des Datenschutzes (Martin Degeling)

    Außerdem gibt es wie gewohnt auch ein kulturelles Abendprogramm. Mehr dazu unter: bildungsstreik-bochum.de