Studierendenvertretung an der RUB

AStA der Ruhr Uni Bochum

01. Juli | 18.00 Uhr | HZO 80

Anne Waldschmidt (Köln)

Dass behinderte Menschen anders sind als “wir Normalen” (Erving Goffman), wird üblicherweise nicht auf gesellschaftliche Einflüsse zurückgeführt, sondern auf die gesundheitlichen Störungen und Abweichungen, die als objektiv feststellbare “Naturtatsachen” angesehen werden. Entsprechend wird von der kulturellen Universalität des Behinderungsphänomens ausgegangen und “Behinderung” (disability) wird zumeist umstandslos mit “Beeinträchtigung” (impairment) gleichgesetzt. Dagegen wird in der Genderdebatte davon ausgegangen, dass Geschlecht eine soziale Konstruktion ist und die beiden Dimensionen “sex” und “gender” sich wechselseitig durchdringen.
In jüngster Zeit haben die Disability Studies darauf aufmerksam gemacht, dass es auch im Falle von Behinderung keine unhintergehbare “Natur” gibt. Ihnen zufolge stellt erst die gemeinsame Assoziation mit Unvermögen und Anormalität die kollektive Identität von Menschen mit höchst vielfältigen körperlichen Erfahrungen und Fähigkeiten her. Behinderung ist keine fixe Kategorie, sondern ein eher unscharfer Oberbegriff, der sich auf eine bunte Mischung von unterschiedlichen körperlichen und kognitiven Merkmalen bezieht, die oft nichts anderes gemeinsam haben als das soziale Stigma der Begrenzung, Abweichung und Unfähigkeit. Im Anschluss an die Intersektionalitätsdebatte lässt sich zeigen, dass sich Geschlecht und Behinderung nicht als getrennte Kategorien gegenüber stehen, sondern vielmehr das Zusammenspiel von “sex” und “impairment”, “gender” und “disability” im Ergebnis eine Matrix ergibt: Alle vier Ebenen verweisen aufeinan-der und überschneiden sich; alle vier Ebenen, d.h. auch “sex” und “impairment” als vermeintlich natürliche Phänomene sind gesellschaftlich hergestellt. Die Logik der Wechselwirkungen wird offensichtlich von der Macht der Normalität bestimmt. und auch sie offenbart sich als ambivalent.

Vortrag der Veranstaltungsreihe Geschlecht und Gesellschaft

17. Juni | 18.00 Uhr | HZO 80

Anne Lenz/Laura Paetau (Berlin)

Was machen Feminist_innen heute? Und wie lassen sich Feminismus und Feminist_in sein heute praktisch denken? Dieser Frage widmen wir uns in der 2009 erschienenen Untersuchung Feminismen und ‚Neue Politische Generation’. Auf der Suche nach Handlungsräumen für Feminismen – außerhalb medialer popfeministischer Debatten – fragen wir nach Strategien und Zielen feministischer Aktivist_innen in Bezug auf ihre politische Praxis und Organisierung. Welche Theorie liegt der jeweiligen Praxis zugrunde? Welches Wirkungsfeld versuchen die Aktivist_innen zu erreichen und in welches intervenieren sie letztendlich? Inwiefern bestehen Perspektiven in Bezug auf die Politisierung der Geschlechterverhältnisse und was verstehen die interviewten Frauen und Männer unter dem „F-Wort“? Grundlage der Untersuchung ist eine empirische Erhebung, in der Aktivist_innen, organisiert in Berliner Gruppen, qualitativ befragt wurden. Die Interviews werden bezüglich der berichteten politischen Strategien mit- und gegeneinander diskutiert und geben einen breiten Eindruck über aktuellen, feministischen Aktivismus. Betrachtet werden sie dabei vorwiegend aus zwei Perspektiven: Zum einen ausgehend von der Subjektivität der befragten Person vor dem Hintergrund ihrer individuellen Geschichte und zum anderen in Bezug auf die der Untersuchung zugrunde liegenden Annahmen: Die neue deutsche Frauenbewegung, als explizit feministische Bewegung, hat sich bezüglich ihrer identitären Organisationsform von Frauen als Frauen und für Frauen sowie der daraus folgenden Manifestation von Geschlecht als „Hauptwiderspruch“ überlebt. Ungleichheit qua Geschlecht hingegen, in Form der Benachteiligung von Frauen sowie als binäre Kategorisierung, existiert – mal anders, mal sehr ähnlich den Widersprüchen der 70er Jahre – weiterhin. In Anlehnung an dieses „Erbe der Frauenbewegung“ reflektiert die Untersuchung den Aktivismus junger Feminist_innen und möchte Anregungen geben, was „Feminismus“ und “Feministin sein“ heute heißen kann.

Vortrag der Veranstaltungsreihe Geschlecht und Gesellschaft

10. Juni | 18.00 Uhr | HZO 80

Katharina Knüttel (Bochum)

War „der Körper“ lange Zeit eher eine randständige Erscheinung in der Soziologie, erfährt er seit den 1990er Jahren zunehmend wissenschaftliche Beachtung – einerseits als „Geschlechtskörper“ von Seiten der Gender Studies, andererseits aber auch in der Entwicklung einer allgemeinen Körpersoziologie. Als „weiblicher Körper“ war er bereits zuvor vielfacher politischer Bezugspunkt in den neuen Frauenbewegungen. Nach einer kurzen Vorstellung ausgewählter theoretischer Zugänge soll anhand einiger Beispiele ausgeleuchtet werden, welche Rolle Körper in der (Re-)Produktion miteinander verwobener Machtdimensionen wie Geschlecht, Klasse und „race“ spielen, um anschließend Anknüpfungspunkte für eine politische Praxis diskutieren zu können.

Vortrag der Veranstaltungsreihe Geschlecht und Gesellschaft

Zur Erinnerung: Nach dem großen Erfolg der Veranstaltungsreihe Geschlecht und Gesellschaft im vergangenen Winter sind die Planungen für den Sommer nun abgechlossen. Insgesamt wird es vier Veranstaltungen geben, deren thematischer Fokus nicht mehr nur auf den Gender Studies liegt, sondern weiter gefasst ist und sich auf unterschiedliche Bereiche der Difference Studies bezieht. Die erste Veranstaltung findet heute um 18 Uhr im HZO 80 statt. Gabriele Dietze wird über den Themenkomplex Okzidentalismus und ‘Sexual Politics’ referieren.

Die deutsche Obsession mit dem (als islamisch begriffenen) Kopftuch hat im Laufe der Zeit viele Formen angenommen. Sie hat zum Berufsverbot für Lehrerinnen in einigen Bundeländern geführt, zu einer Bilderflut in politischen Magazinen und ist zum Anlass politischer Debatten über Leitkultur, Wertegemeinschaft, Christliches Abendland, dem angeblichen Scheitern des Multikulturalismus und ‚Parallelgesellschaften‘ geworden. Dabei kommt sexualpolitischen Fragen wie Frauenemanzipation und ‚Toleranz‘ gegenüber Homosexualität ein besonderer Stellenwert zu.

Obwohl noch vielfach als ‚Ausländerfeindlichkeit‘ verharmlost, haben wir es hier mit einer besonderen Form von Neo-Rassismus zu tun, nämlich anti-muslimischen Rassismus. So wie die Feindlichkeit gegenüber Menschen mit schwarzer Haut Whiteness konstruiert und die Ablehnung von Menschen jüdischer Herkunft Ariertum, so produziert der anti-muslimische Rassismus Okzidentalität. ‚Okzidentalismus‘ ist demnach ein Diskurs der Selbstaffirmation kultureller ‚Überlegenheit‘ des Christlichen Abendlandes. Okzidentalismuskritik versteht sich diesem Zusammenhang als systematische Aufmerksamkeit gegenüber identitätsstiftenden Neo-Rassismen, die sich über eine Rhetorik der ›Emanzipation‹ und Aufklärung definieren.

Okzidentalismuskritik ist dabei nicht nur ein Imperativ der Hegemonie(selbst)reflektion, sondern auch ein Instrument der Analyse und Kritik des immer noch machtasymmetrischen okzidentalen Sex-Gender-Systems.

Weitere Veranstaltungen der Reihe Geschlecht und Gesellschaft im Sommersemester:

Do. 10.06.2010 Katharina Knüttel – Der Körper als Politikum – Theoretische und politisch-praktische Perspektiven
Do. 17.06.2010 Anne Lenz/Laura Paetau – Feminismen und ‚Neue Politische Generation’ – Strategien feministischer Praxis
Do. 01.07.2010 Anne Waldschmidt – Behinderung, Normalität und Geschlecht als intersektionales Feld

Weitere Infos unter: asta-bochum.de/gug

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  • Eine Veranstaltung des autonome FrauenLesbenReferat des AStA der Ruhr-Universität Bochum

    Angela Steidele liest aus ihrem Buch “Geschichte einer Liebe: Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens”

    Adele Schopenhauer – Schriftstellerin, Künstlerin, die Schwester des Philosophen Arthur  Schopenhauer – und die »Rheingräfin« Sibylle Mertens-Schaafhausen verband eine leiden-schaftliche Liebesbeziehung mit den dazugehörigen Höhen und Tiefen. Seit 1828 waren sie  ein Paar: »am besten vergleichst Du uns ein paar Leuten, die sich spät finden und dann  einander heiraten. Stürbe sie – so spräng ich jetzt in den Rhein, denn ich könnte nicht ohne  sie bestehen«, schrieb Adele ihrer Freundin Ottilie von Goethe.  Sibylle Mertens war eine der gebildetsten Frauen ihrer Zeit, Musikerin, Komponistin, Archäologin, Antikensammlerin und Mäzenin. Ihre Salons in Bonn und Rom waren berühmt. Vom Vater an einen ungeliebten Mann verheiratet, pflegte sie Zeit ihres Lebens intensive Beziehungen zu Frauen. Adeles Leben mit Sibylle Mertens wurde so nicht nur von deren Ehemann und ihren sechs Kindern beeinträchtigt, die ihre Beziehung als »Unrecht, Wahnwitz, Tollheit« torpedierten. Auch Sibylles Hang zu neuen Eroberungen ebenso wie ihre enge Freundschaft zu Annette von Droste-Hülshoff lasteten schwer auf Adele. Aber selbst nach einer mehrjährigen Trennung fanden sie wieder zusammen. Anhand vieler bisher unveröffentlichter Quellen erzählt Angela Steidele die Geschichte zweier Unge- wöhnlicher Frauen: Pionierinnen, die in Wissenschaft und Kultur, Wirtschaft, Politik und nicht zuletzt in ihrem Privatleben Grenzen einrissen – zu einer Zeit, als es Liebe zwischen Frauen offiziell gar nicht geben durfte.

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  • Nach dem großen Erfolg der Veranstaltungsreihe Geschlecht und Gesellschaft im vergangenen Winter sind die Planungen für den Sommer nun abgechlossen. Insgesamt wird es vier Veranstaltungen geben, deren thematischer Fokus nicht mehr nur auf den Gender Studies liegt, sondern weiter gefasst ist und sich auf unterschiedliche Bereiche der Difference Studies bezieht. Die erste Veranstaltung findet bereits diesen Donnerstag (6. Mai) um 18 Uhr im HZO 80 statt. Gabriele Dietze wird über den Themenkomplex Okzidentalismus und ‘Sexual Politics’ referieren.

    Die deutsche Obsession mit dem (als islamisch begriffenen) Kopftuch hat im Laufe der Zeit viele Formen angenommen. Sie hat zum Berufsverbot für Lehrerinnen in einigen Bundeländern geführt, zu einer Bilderflut in politischen Magazinen und ist zum Anlass politischer Debatten über Leitkultur, Wertegemeinschaft, Christliches Abendland, dem angeblichen Scheitern des Multikulturalismus und ‚Parallelgesellschaften‘ geworden. Dabei kommt sexualpolitischen Fragen wie Frauenemanzipation und ‚Toleranz‘ gegenüber Homosexualität ein besonderer Stellenwert zu.

    Obwohl noch vielfach als ‚Ausländerfeindlichkeit‘ verharmlost, haben wir es hier mit einer besonderen Form von Neo-Rassismus zu tun, nämlich anti-muslimischen Rassismus. So wie die Feindlichkeit gegenüber Menschen mit schwarzer Haut Whiteness konstruiert und die Ablehnung von Menschen jüdischer Herkunft Ariertum, so produziert der anti-muslimische Rassismus Okzidentalität. ‚Okzidentalismus‘ ist demnach ein Diskurs der Selbstaffirmation kultureller ‚Überlegenheit‘ des Christlichen Abendlandes. Okzidentalismuskritik versteht sich diesem Zusammenhang als systematische Aufmerksamkeit gegenüber identitätsstiftenden Neo-Rassismen, die sich über eine Rhetorik der ›Emanzipation‹ und Aufklärung definieren.

    Okzidentalismuskritik ist dabei nicht nur ein Imperativ der Hegemonie(selbst)reflektion, sondern auch ein Instrument der Analyse und Kritik des immer noch machtasymmetrischen okzidentalen Sex-Gender-Systems.

    Weitere Veranstaltungen der Reihe Geschlecht und Gesellschaft im Sommersemester:

    Do. 10.06.2010 Katharina Knüttel – Der Körper als Politikum – Theoretische und politisch-praktische Perspektiven
    Do. 17.06.2010 Anne Lenz/Laura Paetau – Feminismen und ‚Neue Politische Generation’ – Strategien feministischer Praxis
    Do. 01.07.2010 Anne Waldschmidt – Behinderung, Normalität und Geschlecht als intersektionales Feld

    Weitere Infos unter: asta-bochum.de/gug

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  • Der Sektempfang kann kommen

    Am Donnerstag, den 29. April 2010 findet der legendäre Sektempfang des autonomen Schwulenreferats statt. Kommt alle ins Studierendenhaus, in den Raum 14; der Empfang beginnt um 16 Uhr.

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  • Auch im Sommersemester finden wieder Veranstaltungen im Rahmen der “Geschlecht und Gesellschaft”-Reihe statt. Bisher sind die folgenden vier Veranstaltungen geplant:

    Do. 06.05.2010 Gabriele Dietze – Okzidentalismus und ‘Sexual Politics’
    Do. 10.06.2010 Katharina Knüttel – tba.
    Do. 17.06.2010 Anne Lenz/Laura Paetau – Neuer Feminismus (genauer Titel folgt)
    Do. 01.07.2010 Anne Waldschmidt – Disability Studies (genauer Titel folgt)

    Sobald es weitere Informationen, wie genaue Titel, Räume und die genaue Zeit gibt, werden sie hier bekannt gegeben. Weitere Infos unter: asta-bochum.de/gug

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  • 2. bis 10. Dezember 2009 in Bochum

    Wie zahlreiche wissenschaftliche und/oder gesellschaftspolitische Diskussionen, die Etablierung einer Fülle von Fachzeitschriften sowie seit Kurzem auch die Schaffung einer Menge entsprechender neuer Studiengänge belegen, kommen die Gender Studies im Laufe Ihrer 25-jährigen Geschichte langsam aber sicher in der Mitte der Gesellschaft an – unserer Meinung nach Grund genug zu fragen, welche Bedeutung die Forschung eigentlich gegenwärtig hat. Dabei darf nicht nur die Bedeutung der Gender Studies für ihren Untersuchungsgegenstand betrachtet werden, sondern auch die Rückkopplung ihrer Ergebnisse in der Gesellschaft.

    Weitere Infos und Termine: asta-bochum.de/gug

    Die Erreichbarkeit der Ziele und Vorhaben muss stets ein zu reflektierendes Moment bleiben, um so neue Entwicklungen zu ermöglichen. Die Umsetzbarkeit und die Folgen der Ergebnisse für die Praxis darf ebenso wenig außer Acht gelassen werden. Paradigmatisch sind hierbei die Probleme, die aus einer einseitigen und verkürzten Auffassung von Gleichstellungsarbeit entstehen können. Zu leicht besteht die Gefahr, dass eigentlich kritische Ziel einer grundsätzlichen Hinterfragung geschlechtlicher Konstruktions- und Konstitutionsmodi aus den Augen zu verlieren und so die Wirkungsweise dichotomer, hegemonialer Strukturen zu verstärken und in letzter Instanz den heteronormative Aufbau der Gesellschaft zu untermauern, statt die Unterschiedlichkeit von Menschen zu fördern.

    Daneben muss der Entwicklung Rechnung getragen werden, dass sich die Themenfelder im Laufe der Zeit erweitert und verschoben haben; von einer bloßen Beschäftigung mit dem Geschlecht kann nicht mehr die Rede sein, sondern es werden in den aktuellen Diskursen der Gender Studies die verschiedensten Formen der Differenz beleuchtet. In seiner Entwicklung bildet Gender Studies jedoch kein homogenes Feld, sondern Dissonanzen und Divergenzen treten zu Tage; als Beispiel dafür kann die diskursive Auseinanderentwicklung von Gender Studies und Diversity Studies angeführt werden.

    Da wir in dieser Auseinander- und Weiterentwicklung keine kommunikative Sackgasse sehen, sondern diesen Disput produktiv nutzen wollen, wollen wir die Möglichkeit für einen produktiven Austausch geben. Deshalb ist das Ziel dieser Veranstaltungsreihe die unterschiedlichen Disziplinen der Gender Studies zu präsentieren und kommunikative Brücken zwischen den vielfältigen Themenfeldern wie beispielsweise Intersektionalität und Queer Theory zu ermöglichen.

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