AStA der Ruhr Uni Bochum
4 Aug
Hochschule, 04.08.2010, Jürgen Boebers-Süßmann

Loser Beton, klappernde Gehplatten, überall Löcher – dass die in den 1960er und 1970er Jahren errichtete Ruhr-Uni in marodem Zustand ist, dürfte jedem klar sein, der jemals einen Fuß auf den Campus gesetzt hat. Längst haben das auch das Rektorat sowie der landeseigene Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB), dem die Gebäude der RUB gehören, erkannt. Seit 2004 wurde analysiert und geplant, nun steht fest: Bis 2022 soll die Ruhr-Uni nicht nur baulich aufgemöbelt und zum „Lebensraum“ umgestaltet werden, sondern auch konzeptionell umstrukturiert werden. „Die große Rochade“ nennt das Baudezernent Ernst Kratzsch.
Zunächst werden die Fakultätsgebäude, da am meisten genutzt werden, in Angriff genommen. Im Osten des Campus wird aktuell das Gebäude ID hochgezogen. Nach Fertigstellung, die in absehbarer Zeit geplant ist, kann mit dem Umbau in den Ingenieurs- und Naturwissenschaften begonnen werden: Die in IC beheimateten Fakultäten und Institute ziehen nach ID, um und das leer stehende IC kann kernsaniert werden. Nach diesem Prinzip wird in den kommenden zehn Jahren die gesamte Campussanierung voran getrieben.
Auch die G-Reihe, die Institutsgebäude der Geisteswissenschaften, ist irgendwann „dran“. Auch hier soll ein neues Puffergebäude namens GD errichtet werden. Ein Eingriff mehr in den Baukörper, der einmal mehr nicht ohne Kritik abgeht. Jüngster Streitpunkt ist ist der vorgesehene Standort des GB: Nach dem Willen des Rektorats soll der Neubau aus architektonischen und denkmalpflegerischen Gründen (der bauliche „Look“ Der RUB soll erhalten bleiben) direkt östlich ans GC-Gebäude grenzen. Dafür müsste aber ein Waldstück weg. „Die Abholzung wird aus Gründen der Optik billigend in Kauf genommen“, kommentiert AStA-Chef Jan Keitsch.
Haupt-Gegenargument ist der „vermeidbare massive Eingriff in die Natur“, den der Bau von GD in dem Waldgebiet nach Ansicht der Studierendenvertretung bedeuten würden. Laut Bundesnaturschutzgesetz seien „Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes“ und die „Rodung von wild gewachsenem Wald“, der wie im diesem Fall unter Landschaftsschutz steht, unbedingt zu vermeiden. Sogar auf das Mikroklima im Westen des Campus würde sich die Abholzung negativ auswirken und die Studierenden in Seminarräumen und Hörsälen buchstäblich ins Schwitzen bringen, kritisieren die Studierenden. Der AstA behält sich eine Klage gegen den Bebauungsprozess vor.
31 Jul
BOCHUM. Es gibt Ärger an Ruhr-Universität. Nach der Errichtung des Gebäudes ID im Osten soll jetzt auch im Westen ein neues Institutsgebäude errichtet werden. Von Seiten der Uni und der Denkmalschutzbehörde wird für das GD ein Standort im Wald präferiert. Dagegen regt sich Widerstand. Von Max-Florian Kühlem, 31.07.2010.
Der Parkplatz im Nordwesten der Uni war in der Diskussion, kommt als Bauplatz aber nicht in Frage. (Foto: Kühlem)
“Nicht nur wir als AStA, auch viele Bürger kritisieren die Waldrodung und Hügel-Einebnung”, erklärt Marco Dorigo aus dem Ökologie-Referat des Allgemeinen Studierenden-Ausschuss der Ruhr-Uni (AStA). Auf einer Bürgerversammlung Anfang Juli in der Bezirksverwaltungsstelle Süd seien viele Menschen sehr aufgebracht gewesen. Auf Unverständnis beim AStA triff der Bebauungsplan auch, weil es aus Sicht der Studierenden eine gute Alternative gibt: Die Errichtung des Gebäudes GD im Süden der G-Reihe. Dort finden sich Park- und Tennisplätze.
Alternativ-Standort: Parkplatz
“Der Verlust der Parkplätze könnte durch Aufstockung des Parkhauses West kompensiert werden, das sowieso sanierungsbedürftig ist”, so Dorigo. Auch einer Verbindung aller Gebäude sei mit diesem Standort möglich. Anders sieht das Stadtbaurat Ernst Kratzsch: “Man muss die ganze Rochade sehen, die an der Universität passieren wird”, sagt er. Und dazu gehört nach jetzigem Planungsstand für die Mittelachse der Uni auch der Abriss der Bibliothek und ihre Neuerrichtung zwischen Mensa und GA. Im Untergeschoss aller verbundenen G-Gebäude sollen dann die Instituts-Bibliotheken zu finden sein. Ina Schwarz, Baudezernentin der RUB, weist zudem auf Probleme mit dem Amt für Denkmalschutz hin: “Die Uni steht zwar noch nicht unter Schutz, aber es gibt die Abmachung, dass die Denkmalpflege bei Veränderungen befragt wird.” Von dieser Seite gäbe es die klare Vorgabe, dass die Gesamt-Silhouette erhalten bleiben soll. Dies sei bei einer Bebauung südlich der G-Gebäude nicht der Fall.
AStA will notfalls klagen
Der AStA will diese Argumente nicht gelten lassen: “Der Grundriss wird durch die Neugestaltung der Hauptachse sowieso aufgerissen. Dagegen steht ein massiver Eingriff in die Natur.” Vergangenen Woche hat die Studierendenvertretung deshalb eine klare Stellungnahme zum Bauverfahren eingereicht und behält sich eine Klage gegen den Bebauungsprozess vor. Die Verzögerung, die das mit sich bringen würde, stößt wiederum auf Unverständnis an der Uni, die 2013 wegen der doppelten Abitur-Jahrgänge 4900 weitere Studienplätze anbieten muss. Verwaltungsleiter Karl-Heinz Schloßer: “Ich finde es schon merkwürdig, dass sich eine Studierendenvertretung keine Gedanken macht, wie zukünftige Generationen studieren sollen.”
http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/bochum/Uni-Neubau-versus-Wald;art932,982005
27 Jul
Die längst überfällige Sanierung der Campus-Infrastruktur der Ruhr-Universität Bochum könnte sich aufgrund neuer Entwicklungen verzögern: Nachdem bekannt wurde, dass der neue Bebauungsplan die Abholzung eines Waldgebiets und andere unökologische Maßnahmen vorsieht, begann sich Widerstand zu formieren. Nachdem im Rahmen einer öffentlichen Anhörung deutlich wurde, dass Rektor Weiler die kritischen Nachfragen der BürgerInnen, AnwohnerInnen und Studierenden ignorierte, sah sich der AStA in der Verpflichtung den Bedenken in Form einer Stellungnahme im Zuge der normalen Aufstellung des Bebauungsplans bei der Stadtverwaltung Gehör zu verschaffen. Auch der Senat beschäftigte sich am vergangenen Donnerstag mit der Campussanierung – die anwesenden SenatorInnen waren teilweise von der Opposition gegen die Planungen überrascht.
Beton statt Bäume- Wald soll Neubau weichen
Die Kritik des AStA bezieht sich vor allem auf den vorgesehenen Standort des neuen Universitätsgebäudes „GD“: Um die Sanierung der Hochhäuser auf der Westachse beginnen zu können, ist die Schaffung neuer Räumlichkeiten nötig. Diese sollen als Ausweichort für die NutzerInnen der G-Reihe dienen, während ihre alten Arbeitsplätze saniert werden. Das Problem besteht in dem Beharren des Rektorats darauf, dass das Gebäude, aus architektonischen und denkmalpflegerischen Gründen, direkt östlich an GC grenzen soll. „Die Abholzung des dort gelegenen Waldgebietes wird aus Gründen der Optik billigend in Kauf genommen“, kommentiert Jan Keitsch, Vorsitzender des AStA.
Eingriff in die Natur statt Nutzung von Alternativen
Das Hauptargument der Stellungnahme des AStA ist der vermeidbare massive Eingriff in die Natur, den der Bau von GD in dem Waldgebiet bedeuten würden. Laut dem Bundesnaturschutzgesetz sind Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes und besonders die Rodung von wild gewachsenem Wald, der wie im Bochumer Fall unter Landschaftsschutz steht, unbedingt zu vermeiden. Sogar auf das Mikroklima im Westen des Campus würde sich die Abholzung negativ auswirken und die Studierenden in Seminarräumen und Hörsälen buchstäblich ins Schwitzen bringen.
Park, Study & Ride
„Besonders unverständlich ist es uns, dass sich das Rektorat nicht ernsthaft mit den insgesamt sechs Alternativ-Standorten auseinandersetzen will, die wir in unserer Stellungnahme aufgezählt haben und die keine Eingriffe in die Natur um den Campus erfordern würden“, äußert sich Marco Dorigo aus dem Ökologie-Referat des AStA enttäuscht. „Besonders unsere ‘Alternativen 2 und 3′ dürften von vielen Studierenden bevorzugt werden.“ Dabei steht für den AStA im Vordergrund, dass Parkplätze in ausreichender Anzahl zur Verfügung stehen und dass sich die Studienbedingungen verbessern. Ausführlich sind die Alternativen in der AStA-Stellungnahme (siehe Stellungnahme) beschrieben.
Unsere Stellungsnahme könnt Ihr hier als pdf runterladen: Stellungsnahme. Die dazugehörigen Abbildungen und Anhänge findet Ihr hier: Abbildung 1, Abbildung 2, Abbildung 3 sowie Anhang 1 und Anhang 2.
Der AStA fordert das Rektorat auf, alle Alternativen zu prüfen, bevor eine so gravierende Entscheidung, die nachhaltig in die Natur auf dem Campus eingreifen würde, getroffen wird. Darüber hinaus behält er sich vor, das Bebauungsplanverfahren im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten kritisch zu begleiten, was gegebenenfalls eine Klage gegen den Planungsentwurf beinhalten könnte.
27 Jul
„Ihre Meinung ist gefragt“ steht auf dem Prospekt zum Bebauungsplan 280b, der über die Erweiterung der RUB im Westen informieren soll. Doch während der Diskussion um den Standort des Ersatzneubaus „GD“ ist klar geworden, dass kritische Nachfragen offenbar nicht erwünscht sind.
Die RUB bekommt ein neues Gebäude. Der „Ersatzneubau GD“ soll der erste große Wurf für die Sanierung der G-Reihe werden. Nach dem Baubeginn 2011 soll das Gebäude 2013 bezugsfertig sein, um den Ansturm der doppelten Abiturjährgänge bewältigen zu können. Nach dem Willen von Universitäts- und Stadtverwaltung wird GD in den Wald neben GC gebaut, und damit die bestehende Gebäudereihe verlängern. Da der Standort nicht mehr ganz auf dem Universitätsgelände liegt, muss die Stadt Bochum zustimmen. Deswegen fand am 1. Juli eine BürgerInnenversammlung statt, in der die Bevölkerung über die bisherige Planung informiert und in den Planungsprozess mit einbezogen werden sollte. Dabei kam es nach kritischen Anmerkungen und Fragen zum Konzept zu heftigen Diskussionen. Am Ende musste selbst Stadtbaurat Ernst Kratsch anerkennen, dass die Mehrheit der anwesenden BürgerInnen gegen den geplanten Standort im Wald war.
Gleich zu Beginn der Diskussion um den von Rektor Elmar Weiler vorgestellten Standort für das neue G-Gebäude kam es zu einem kleinen Eklat. Im Vorfeld hatte sich Rektor Weiler gegenüber dem AStA und im Senat der Ruhr-Uni gegen die Versiegelung der Waldfläche ausgesprochen. Jetzt sprachen aus seiner Sicht plötzlich die Argumente gegen die möglichen Alternativstandorte – also die Ansiedlung von GD auf dem Parkplatz im Süden der G-Reihe oder auf dem bisherigen Standort des Parkhauses West. Um seine Position zu untermauern, führte Weiler eine Umfrage an, die unter den Studierenden der G-Reihe durchgeführt worden sei. Diese sprächen sich angeblich auch gegen andere Standorte als den Wald aus.
“Ich studiere selbst in GC, kenne aber niemanden, der etwas von so einer Umfrage mitbekommen hat“, sagt Julia Schmidt, die den AStA auf der BürgerInnenversammlung vertrat. Schmidts Einwand gegen das Umfragemanöver des Rektors wurde auf der Veranstaltung jedoch schnell abgebügelt.
Die geplante Rodung des Waldes für den Neubau sorgt auch unter AnwohnerInnen für Unmut. Diese fürchten neben dem Bau des Gesundheitscampus und des Biomedizin-Parks nun auch durch die Erweiterung der Uni, dass noch mehr Grünflächen in ihrer Nachbarschaft verschwinden. Stadtbaurat Kratsch versuchte zu beschwichtigen, indem er versicherte, dass der abgeholzte Wald durch gesetzlich festgeschriebene Ausgleichsflächen ersetzt werde – wo diese entstehen sollen, konnte er jedoch nicht zufriedenstellend beantworten. Vielmehr brachte er Flächen ins Gespräch, die teilweise nicht einmal in der Nähe der Universität liegen. Die anwesenden Gäste beruhigte das nicht.
Für Unverständnis sorgte auch das von den PlanerInnen angeführte Argument des Denkmalschutzes. „Der Parkplatz südlich der G-Reihe eignet sich eigentlich als Bauplatz“, so Tine Grote vom Öko-Referat des AStA. „Die Univerwaltung behauptet aber, dass er aus Gründen des Denkmalschutzes nicht in Frage kommt.“ Durch beharrliches Nachfragen ergab sich, dass die Ruhr-Uni gar nicht unter Denkmalschutz steht. Es gibt lediglich eine Empfehlung des Denkmalschutzbeauftragten, die typische Grundstruktur nicht durch ein „deplaziertes Gebäude“ zu stören. „Die Univerwaltung will angeblichen Denkmalschutz gegen Umweltschutzargumente ausspielen. Das ist wenig glaubwürdig“, resümiert Grote. Der AStA vermutet, dass die Verantwortlichen damit vom Schlingerkurs in Sachen Sanierung ablenken wollen. „Noch vor kurzem hat sich Rektor Weiler uns gegenüber dafür ausgesprochen, die wegfallenden Parkplätze hinter den G-Gebäuden durch eine Aufstockung des Parkhauses West aufzufangen“, berichtet AStA-Vorsitzender Jan Keitsch.
Da die Campussanierung mit dem Umbau der Universitätsstrukturen einhergehen soll, wird sich die Anordnung der Fakultäten und Fachbereiche verändern. Im Zuge dessen ist geplant, dass die Universitätsbibliothek nach GA zieht. Ohne die UB verlassen zu müssen, soll man die Bibliotheken der Fachbereiche erreichen können, die in den Verbindungsfluren angesiedelt würden. Es würde also nur noch eine zentrale Bibliothek geben, die sich von GA bis GD erstreckt. Dieser Umstrukturierung stünde allerdings auch der Alternativstandort auf dem Parkplatz nicht im Wege. Brücken oder ähnliche bauliche Lösungen könnten die Bibliotheksteile verbinden, ohne dass der natürlich gewachsene Wald gefällt werden müsste.
Gegen die Nutzung des Parkplatzes spricht laut der Univerwaltung, dass damit die „klare Orientierung“ auf dem Campus verloren ginge. Jedoch sollte es ein Leichtes sein, im Zuge der Umgestaltung die Gehwege so zu legen, dass GD im Süden der G-Reihe einfach zu finden ist. Auch soll ein dort gebautes Gebäude die im Masterplan der Stadt Bochum erwünschte „Anbindung an die Landschaft“ stören. Dagegen wenden die UnterstützerInnen des Alternativvorschlags ein, mit einem flachen Bau könne man gleichzeitig eine Aussichtsplattform schaffen, wie sie sich hinter der Mensa großer Beliebtheit erfreut. Ein architektonisch angepasstes Gebäude biete darüber hinaus die Möglichkeit zur echten „Wissenschaft im Park“, für die nur ein Parkplatz, nicht aber ein Wald geopfert werden müsste. Damit wäre eine echte „Verbindung von Wissenschaftsstandort und Landschaft“ möglich, und nicht nur die Zerstörung eben dieser. Interessant ist zudem die Entwicklung der Zahl der Studierenden nach 2016. Dann hat der doppelte Abiturjahrgang die Uni wieder verlassen. Das Gebäude GC würde dann von der Uni nicht mehr benötigt.Von der vielbeschworenen räumlichen Nähe verwandter Fächer bliebe wenig übrig, wenn mitten in der G-Reihe ein Gebäude an Uni-externe NutzerInnen vermietet würde oder gar leerstünde.
9 Jul
Die Campussanierung sorgt für neuen Konfliktstoff zwischen RUB-Rektor Elmar Weiler und seinen Kritiker_innen. Diesmal geht es um den Wald jenseits der G-Gebäude.
Rektor Weiler hat eine Vision: Wenn nach Abschluss der Sanierung des RUB-Campus Anfang der 2020er Jahre der Unibibliotheksbau entkernt und zum „Student Service Center“ (SSC) umgestaltet sein wird, wandert der überwiegende Teil des aus rund zwei Millionen Büchern bestehenden Bestandes in die unteren Ebenen der Geisteswissenschaftsgebäude. Und damit diese auch künftig wie an einer Perlenschnur aufgereiht in gerader Linie liegen, soll der Wald dem neuen GD-Bau weichen. Gegen den Alternativstandort im Süden der G-Reihe sprächen Gründe des Denkmalschutzes, die den anwesenden Bürger_innen jedoch in großer Mehrzahl nicht plausibel erschienen. Die Ansiedlung des neuen Gebäudes auf dem Parkplatz des ‚Vita Campus‘ neben dem privatisierten MC-Gebäude steht ökonomisches Kalkül entgegen. Tine Grote, AStA-Referentin für Ökologie und Verkehr, bezeichnet die Anhörung als „Scheinveranstaltung“: „Obwohl es sich bei der Diskussionsveranstaltung um die erste öffentliche Vorstellung des Bauvorhabens handelte, wurden kritische Stimmen von Anfang an abgewimmelt.“
6 Jul
Bröckelnder Beton, lärmende Gehplatten, zahlreiche Baustellen, jedem Studi ist klar, dass sich die RUB baulich in einem maroden Zustand befindet. Dass eine Sanierung überfällig ist wissen auch das Rektorat und das Land NRW, sowie der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB), dem die Gebäude der RUB gehören. Seit 2004 ist klar: Die Ruhr-Uni wird saniert werden. Seit dem wurde analysiert, erhoben und geplant welche Ziele eine Sanierung haben soll und wie diese zu erreichen sind. Am Ende stand fest: Nicht nur soll der Campus saniert und zum „Lebensraum“ umgestaltet werden, auch wird die Ruhr-Uni konzeptionell umstrukturiert.
Campussanierung konkret
Saniert werden zuerst die Fakultätsgebäude, da diese am Meisten genutzt werden. Zurzeit wird im Osten des Campus das Gebäude ID errichtet. Nach der Fertigstellung, die für diesen Sommer geplant ist, kann mit dem Sanierungsprozess in den Ingenieurs- und Naturwissenschaften begonnen werden: Die in IC beheimateten Fakultäten und Institute ziehen nach ID um und das leerstehende IC kann dann kernsaniert werden. Nach diesem Prinzip wird die gesamte Campussanierung vorangetrieben.
Um den Sanierungsprozess auch im Westen starten zu können wird auch hier ein Gebäude („GD“) neugebaut werden. Der Baubeginn ist für 2011 geplant.
Die zentrale Achse des Campus (Studierendenhaus, Unibibliothek, Audimax) soll in einem weiteren Schritt ebenfalls saniert werden. Obwohl hierfür schon ein Entwurf der Molestina Architekten GmbH erarbeitet wurde, sind noch keine Gelder für den umfangreichen Umbau beantragt worden, was jedoch vorbereitet wird.
Saniert und Umstrukturiert
Die Sanierung wird nicht nur das Aussehen, sondern auch die Struktur der Universität verändern. So wird der Flächenbedarf aller Fakultäten angepasst, der sich in der Summe um 11% verringern soll. Vergrößert werden soll hingegen das interdisziplinäre Angebot in Forschung und Lehre. Neue international und interdisziplinär ausgerichtete Studiengänge und Forschungsschwerpunkte sollen geschaffen und bereits bestehende ausgebaut werden. Dazu sollen Fakultäten, die inneruniversitär vernetzt sind, auch in denselben bzw. benachbarten Gebäuden untergebracht werden. Wie sich die Umstrukturierung auf einzelne Fakultäten auswirkt, hängt auch von deren Drittmitteleinwerbungen ab. Fakultäten und Lehrstühle, die keine wirtschaftlich relevanten Themengebiete erforschen, werden somit an Bedeutung verlieren. Jedoch gibt es noch ein weiteres Maß für die zukünftige Größe der Fakultäten: die Auslastung. In der Lehre nicht ausgelastete Fachbereiche sollen “maßvoll“ reduziert werden. Angestrebt ist eine Auslastung einer jeden Fakultät zwischen 80 und 120%.
Mehr Informationen findet ihr bald hier auf diesen Seiten.
25 Mrz
Bochum, 25.03.2010, Jürgen Boebers-Süßmann
Bochum. In der größten Baumaßnahme seit der Errichtung der Ruhr-Uni wird bis 2020 die Zentralachse der RUB komplett umgestaltet. Laut den Architekten soll die Uni durch ihren preisgekrönten Umbau-Entwurf „im 21. Jahrhundert ankommen“. Die Studierenden sind skeptisch.
In einem Wettbewerb unter 14 Teams von Architekten und Freiraumplanern war im Oktober 2009 die beste städtebauliche Idee zur gestalterischen und funktionalen Neuordnung der Magistrale zwischen Petschelt-Brücke und Audimax gesucht worden. Schließlich wurde der Entwurf der Arbeitsgemeinschaft Molestina Architekten Köln mit dem Landschaftsarchitekturbüro FSWLA (Düsseldorf) von der Empfehlungskommission entschieden. Ziel des Entwurfes ist es, wie es heißt, „neue, klar gegliederte Erschließungsachsen zu schaffen“. Dabei bleibt offenbar kaum ein Stein auf dem anderen. Nur das Bibliotheksgebäude und das Audimax werden erhalten und umgenutzt.
Mit ihrem preisgekrönten Entwurf versuchen die Molestina-Architekten offenbar nichts weniger, als die Ruhr-Universität „neu zu erfinden“. Durch die schrittweise Realisierung der Planung werde die Universität „im 21. Jahrhundert“ ankommen, heißt es im Erläuterungsbericht der Planer. Künftiger Blickfang („Signet“) der RUB-Magistrale soll ein vielgeschossiger Glasturm werden, der in der Nähe des heutigen Studierendenhauses und des Musischen Zentrums hochgezogen werden soll; beide Altgebäude stehen somit „auf Abriss“, was, wenn man sich auf dem Campus umhört, nicht unbedingt nur positiv gesehen wird.
Vor allem der Kubus des erst 1984 vollendeten Musischen Zentrums galt bislang als eines der markantesten Bauelemente der Ruhr-Uni, deren Formensprache typisch für die 1960er-Jahre und damit sogar potenziell denkmalwürdig ist. Manches müsse aber eben dem Fortschritt weichen, meinte dazu Helmut Heitkamp vom landeseigenen Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB), der für die Campus-Immobilien der RUB zuständig ist, bei der Vorstellung der Umbaupläne.
In der kritischen RUB-Studierendenschaft im Dunstkreis des neuen linken AStA stoßen die Umbau-Pläne naturgemäß auf wenig Gegenliebe. „Kalter Ästhetizismus statt soziale Verantwortung“, wirft die Bochumer Studierenden Zeitung B.S.Z. der Planung vor. Moniert werden auch die hohen Kosten des Magistralen-Umbaus – voraussichtlich ein dreistelliger Millionenbetrag. „In Zeiten zunehmender ökonomischer Präkarisierung immer größerer Teile der Bevölkerung erscheint es zynisch, einen Großteil der auf ein Gesamtkostenvolumen von 1,2 Milliarden Euro taxierten Campussanierung für das gläserne Prestigeprojekt der Magistralenumgestaltung aufzuwenden“, heißt es in der neuen Ausgabe der B.S.Z. Fragen von sozialer Relevanz würden durch solche „Ästhetizismen“ vollständig ausgeblendet.
http://www.derwesten.de/staedte/bochum/Die-Ruhr-Uni-neu-erfinden-id2782864.html