Studierendenvertretung an der RUB

AStA der Ruhr Uni Bochum

Sonntag, 12.September 2010
Bochum im Nationalsozialismus
Schwerpunktthema: Zwangsarbeit und Zwangsarbeiterlager in Bochum
Stadtrundfahrt per Rad

Während dieser etwa 4-stündigen Radtour machen wir Station an den früheren Standorten der KZ-Außenlager und auf den Geländen der ehemaligen Zwangsarbeiterlager. Ausgangspunkt ist der Springerplatz. Weitere Stationen sind das Gelände des Bochumer Vereins, die Sauren Wiesen, der Jüdische Friedhof an der Wasserstr. und der Kommunalfriedhof in Altenbochum.

Treffpunkt: Springerplatz, Bochum
Uhrzeit: 13.30 Uhr
Tourleiter: Volker Gerwers
Veranstalter: Bochumer Geschichtswerkstatt, unterstützt vom AStA der Ruhr-Universität Bochum
Anmeldung bis zum 9.September 2010 erbeten unter: geschichtswerkstatt@bo-alternativ.de

Im Westen, 16.08.2010, Carsten Menzel

Mindestens 15 Klausuren verschwanden oder wurden manipuliert, sagt der AStA. Foto: Karl Gatzmanga

Mindestens 15 Klausuren verschwanden oder wurden manipuliert, sagt der AStA. Foto: Karl Gatzmanga

Bochum. An der Juristischen Fakultät der Bochumer Ruhr-Uni ist ein Streit über verschwundene Prüfungsunterlagen ausgebrochen. Es geht um 15 Klausuren, die verschwunden sind oder in denen Seiten fehlen. Dahinter könnte Mobbing stecken.

Ärger an der Ruhr-Uni Bochum: Ausgerechnet in der Juristischen Fakultät ist ein Streit über verschwundene Prüfungsunterlagen ausgebrochen. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) fordert inzwischen, dass sich Studierende die Abgabe ihrer vollständigen Klausur quittieren lassen sollen und die korrigierte Arbeit nur noch gegen Vorlage ihres Studierendenausweises oder einer Vollmacht ausgehändigt werden sollen. Die Professoren reagieren verschnupft auf diesen Vorstoß. Eigentlicher Auslöser für den Streit soll nach Informationen von DerWesten eine studentische Hilfskraft sein, der Teile der Studenten offenbar kein bisschen mehr vertrauen.

Die Geschichte hört sich an wie aus dem Drehbuch eines Hollywood-Streifens, der an der Highschool spielt. Es geht um eine Studentin, die aus dem Fachschaftsrat rausgeflogen ist – und jetzt als Hilfskraft der Professoren arbeitet und offenbar Rache an ihren ehemaligen Kommilitonen nimmt.

Beschimpfungen in Klausuren

„Teilweise sind ganze Klausuren verschwunden, in anderen Fällen sind einzelne Seiten herausgenommen worden”, berichtet AStA-Vorsitzender Jan Keitsch über die Tatsachen. Die Folge: Studenten haben wegen der fehlenden oder unvollständigen Unterlagen Prüfungen nicht bestanden. Nicht viel weniger schlimm: In einigen Fällen sollen Beschimpfungen auf die Klausurenseiten geschmiert worden sein. Der Fachschaftsrat spricht von 15 Fällen innerhalb eines Jahres. Der Dekan soll untätig geblieben sein; die Studierenden bescheinigen ihm der verdächtigten Mitarbeiterin gegenüber einen „väterlichen Schutzinstinkt”.

Seine Anregungen hat der AStA daher jetzt in einem offiziellen Schreiben an das Dekanat der Juristischen Fakultät formuliert – und zwar einigermaßen unmissverständlich. Die Studierenden-Vertretung fordert darin allgemein, dass studentische Hilfskräfte „keinen Zugang mehr zu Räumen bekommen”, in denen schriftliche Prüfungen oder Leistungsnachweise liegen. Außerdem soll das Dekanat dafür Sorge tragen, dass es keine Möglichkeiten zur Manipulation über das elektronische Verwaltungssystem VSPL gibt. „Professoren treten die Eintragung von Noten in das System auch an studentische Hilfskräfte ab. Wenn Klausuren oder Leistungsnachweise verschwinden und falsche Noten ins System eingetragen sind, gibt es kaum eine Möglichkeit, dagegen vorzugehen”, erklärt Jan Keitsch.

Frau wird verdächtigt

Vertrauen in die Uni-Verwaltung klingt anders. Als „Notwendigkeit zum Schutz vor Unterschlagungen” fordert der AStA weiter, dass schriftliche Arbeiten außerhalb der Vorlesungen nur noch gegen Vorlage eines Studierendenausweises oder einer Vollmacht ausgehändigt werden sollen, auch wenn dies zu Mehrarbeit bei den Mitarbeitern führt.

Die Reaktion der Professoren Martin Burgi (Dekan) und Gereon Wolters (Studiendekan) an den AStA fällt unterkühlt und wenig konkret aus. Sie zeigen sich erstaunt über die angeblichen Probleme und stellen in einem ersten Antwortschreiben lediglich in Aussicht, dass die „zuständigen Personen (.­ . .) zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Maßnahmen” treffen würden.

Abseits der objektiven Vorwürfe, einzelne Seiten oder ganze Klausuren seien verschwunden, dreht sich der Streit um eine Mitarbeiterin, die zuvor als Referentin beim Fachschaftsrat Jura gearbeitet hat und jetzt beim Dekanat angestellt ist; der AStA vermutet die junge Frau hinter den Vorfällen.

Teile der Studierenden werfen der jungen Frau Mobbing anderer Studenten vor; das Dekanat unternehme dagegen nichts. Vertreter des Fachschaftsrats sollen inzwischen eine Anzeige gegen die Hilfskraft gestellt haben: Es geht um Unterschlagung.

Mittlerweile ist das Thema vordergründig, über den Umgang mit Prüfungsunterlagen, auf einer Sitzung des Uni-Senats eingebracht worden; damit muss sich die Hochschule jetzt auf Rektoratsebene mit den Vorwürfen ­aus­ei­­n­andersetzen.

http://www.derwesten.de/nachrichten/im-westen/Streit-um-verschwundene-Klausuren-an-der-RUB-id3569212.html

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) an der Ruhr-Universität reagiert empört auf Aussagen des Ruhr-Uni-Pressesprechers Josef König. Dieser hatte gegenüber verschiedenen Zeitungen behauptet, dass Studiengebühren die studentische Mitbestimmung förderten und ihre Abschaffung einen Identifikationsverlust mit sich brächte. „Die studentische Mitbestimmung bei der Verteilung der Studiengebühren ist ein schlechter Witz“, kommentiert der AStA-Vorsitzende Jan Keitsch die Ausführungen. „In vielen Fällen hatten Studierende faktisch keine Wahl, gegen geplante Ausgaben zu stimmen, da sie von der Fakultät erpresst wurden.“

Zahlreiche studentische Mitglieder in Fakultäts- und Fachschaftsräten sind gleichzeitig Angestellte eines Lehrstuhls und so in einem unmittelbarem Abhängigkeitsverhältnis. „Autonome Entscheidungen im Sinne der Studierenden werden auf diese Weise gezielt verhindert“, kritisiert Keitsch. „Eine wirklich demokratische Teilhabe der Studierenden sieht anders aus und darf nicht an unsoziale Gebühren gekoppelt werden.“

Auch die Behauptung, eine Identifikation mit der Uni entstehe erst durch das Bezahlen der Studiengebühren, stößt auf Unverständnis. „Eine Universität ist eine Bildungseinrichtung, die eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe erfüllt. Identifikation entsteht durch gemeinsames Lernen und Forschen, nicht durch das Bezahlen des Menschenrechts auf Bildung“, so der AStA-Vorsitzende.

Das Rektorat der Ruhr-Universität spricht sich trotz der Vorwürfe der Studierenden und des Versprechens der Landesregierung, die Studiengebühren komplett zu kompensieren, weiterhin für das Bezahlstudium ab dem ersten Semester aus. Die Studierendenvertretung fordert dagegen seit der Einführung der Gebühren ihre vollständige Abschaffung.

Sozialbeitragsübernahme

Studierende der RUB, die den Sozialbeitrag zur Rückmeldung – insbesondere das Semesterticket – nicht aufbringen können, haben die Möglichkeit, die Übernahme des Beitrages zu beantragen.

Auch für das Wintersemester gibt es wieder Sprechstunden von Montag den 19. Juli bis Freitag den 27. August 2010.

Weitere Informationen dazu findet hier auf unseren Flyer.

An der Ruhr-Universität sorgt eine Entscheidung des Rektorats für Kopfschütteln: Um einen einzelnen Professor in Bochum zu halten, soll das philosophische Institut in zwei voneinander unabhängige Institute aufgespalten werden. Die Studierendenvertretung befürchtet höhere Kosten, schlechtere Studienorganisation und Kürzungen beim bisherigen Institut. Auch die wissenschaftlichen MitarbeiterInnen der Philosophie protestieren.

„Vordergründig sieht die Aufspaltung der Philosophie erstmal wie schnöde Geldverschwendung aus“, erklärt Jan Keitsch, Vorsitzender des Allgemeinen Studierenden Ausschuss (AStA) der Ruhr- Universität Bochum. „Während alle über Bürokratieabbau sprechen, sollen in der Bochumer Philosophie zukünftig zwei Direktoren und zwei Geschäftsstellen bezahlt werden. Mittelfristig befürchten wir aber viel weitergehende Einschnitte für die Studierenden und Beschäftigen. Zwei philosophische Institute an der Ruhr-Uni sind nicht besonders sinnvoll, und selbst die Verfassung der Uni legt fest, dass für gleiche oder verwandte Fächer nur eine wissenschaftliche Einrichtung gebildet werden soll. Bei zukünftigen Kürzungsrunden könnte das bisherige Institut weiter geschwächt und letztendlich ganz abgewickelt werden.“

Protest der wissenschaftlichen MitarbeiterInnen

Die Aufspaltung des Instituts soll schon zum kommenden Wintersemester umgesetzt werden. Der AStA kritisiert, dass die einschneidende Änderung überstürzt und gegen den Willen vieler Betroffener beschlossen wurde. So erheben die wissenschaftlichen MitarbeiterInnen des Instituts in einer einstimmig beschlossenen Stellungnahme schwerwiegende Einwände. Sie bezeichnen die Entscheidung als „sachlich unbegründeten Eingriff in die Struktur des Instituts“, der dem fachlichen Profil der Bochumer Philosophie schade.

Individualinteressen vor Gesamtkonzept

Wieso soll das Institut aufgeteilt werden, wenn die wissenschaftlichen MitarbeiterInnen dagegen sind und selbst die Verfassung der Universität anderes nahelegt? Ausschlaggebende Ursache sind die Verhandlungen der Unileitung mit dem Philosophie-Professor Albert Newen. Um dessen Weggang an die Universität Bielefeld zu verhindern, hat ihm RUB-Rektor Elmar Weiler das neue Institut angeboten, das die von ihm verfolgten Forschungsschwerpunkte bearbeiten soll. Darüber hinaus wurde ihm auch die Leitung dieser Einrichtung angetragen. „Für schnöde Personalpolitik wird mal eben schnell die Struktur eines ganzen Instituts umgekrempelt – das ist erstaunlich und bundesweit einmalig“, sagt Lars Laute, Referent für Kritische Wissenschaften vom AStA der Ruhr- Universität Bochum. „Wir fordern, dass Strukturentscheidungen im Interesse der Studierenden getroffen werden, und nicht nach dem Willen einzelner Professorinnen und Professoren.“

Vollendete Tatsachen statt Diskussion

Die Entscheidung zur Spaltung wurde ohne Rücksprache mit den betroffenen Studierenden, MitarbeiterInnen und ProfessorInnen gefällt. Bereits im Vorfeld hatte sich das Rektorat in die Neubesetzung vakanter Lehrstühle eingemischt und eigenmächtig gegen den Willen des Instituts
Personalentscheidungen getroffen. Besonders die Studierenden werden durch die Spaltung in eine prekäre Lage gedrängt. Die Aufteilung der Gelder und Stellen müssten neu verhandelt werden. Der Promotionsstudiengang, der bisher einen fruchtbaren Austausch zwischen den Doktoranden aller philosophischer Richtungen ermöglicht hatte, würde ebenfalls aufgespalten werden.

Der AStA fordert den Rektor auf, seine Entscheidung zur Spaltung des philosophischen Instituts zurückzunehmen. Der Beschluss gegen den Willen der Betroffenen besitzt keine demokratische Legitimation und birgt große Unsicherheiten für die Studentinnen und Studenten.

European Education Congress



In der Pfingstwoche vom 25. – 30. Juni findet bei uns an der Uni der European Education Congress statt.

Wenn ihr euch für Bildung in und um Europa interessiert seid ihr herzlich willkommen mitzudiskutieren und mitzuwirken. Es wird verschiedene Workshops und ein Rahmenprogramm geben und die Chancen sich mit anderen Ländern auszutauschen. Weitere Informationen findet ihr auf www.educationcongress.eu!

Jan Keitsch, der Vorsitzende des AStA der Ruhr Universität Bochum,  hält nichts von Studiengebühren und antwortet in seinem Gastkommentar Stefan Winter. Der Professor an der Ruhr Universität hatte gestern erläutert, warum er Studiengebühren aus sozialen Gründen befürwortet. Jan Keitsch studiert seit 2007 Religionswissenschaft und Philosophie und ist Mitglied von Bündnis90/Die Grünen.

Befürworterinnen und Befürworter von Studiengebühren stehen spätestens seit vergangenem Sonntag mit dem Rücken zur Wand. CDU und FDP – die als einzige Parteien weiter an Studiengebühren festhalten wollen – wurden in Nordrhein-Westfalen abgewählt. Ob es zum von Konservativen und Neoliberalen gefürchteten Rot-rot-grünen Bündnis kommt, ist zwar noch ungewiss: Die Studiengebühren in NRW stehen allerdings auf der Kippe.

Damit hatten wohl auch Stefan Winter und seine Kolleginnen und Kollegen der Bochumer Wirtschaftwissenschaft gerechnet und bereits im Vorfeld eine alte Studie aufgewärmt, die die Erhebung der Studienbeiträge als „sozial gerecht und geboten“ bezeichnet. Mit Wissenschaft hat die „Studie“ jedoch wenig zu tun. Stattdessen werden die Leitideen ausgeschlachtet, die Noch-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart bereits seit Jahren predigt.

Kein Wunder also, dass der „wirtschaftswissenschaftliche“ Vorstoß an der Uni mit Unverständnis und Wut aufgenommen wurde. Schließlich müssen viele Studierende, die ohnehin häufig unter Hartz-IV-Niveau leben, für die Studiengebühren hart arbeiten. Das aktuelle Kreditsystem ist unsozial und sorgt dafür, dass die, die sich die Beiträge nicht direkt leisten können, dank Zinsen am Ende fast 250 Euro pro Semester mehr zahlen müssen. Zwar zeigt Winter auf, welche Alternativen es zum aktuellen Kreditmodell gibt – Vorteile gegenüber einer Gebührenfreiheit sind allerdings nicht zu erkennen, Nachteile dafür umso mehr.

Die Erhebung der Studiengebühren ist bereits jetzt ein bürokratischer Aufwand sondergleichen, der große Geldmengen verschlingt. Wenn jetzt noch die individuelle Förderung sozial Schwächerer statt einer generellen Gebührenfreiheit eingeführt werden soll, wächst das bürokratische Monster weiter an. Die Folge: Intransparenz der Entscheidungen und somit das weiterhin bestehende finanzielle Risiko für angehende Studierende. Der Abschreckungsfaktor Studiengebühren bleibt gewaltig, wenn sozial Schwächere letztlich nur in zu überprüfenden Einzelfällen gefördert werden.

Die wirkliche Alternative zu Studiengebühren ist die vollständige Finanzierung der Hochschulen aus Steuermitteln. Winter moniert, dass so auch die Personen für Unis zahlen müssen, die diese niemals von innen gesehen haben. Er bezieht sich dabei eindeutig nicht nur auf die Menschen, die mit geringer Bezahlung und ohne Aufstiegschancen „Akademikerkinder“ finanzieren müssen, sondern auch auf die, die ohne ein Studium viel verdienen.

Wer also viel verdient, aber nie die Leistungen einer Universität in Anspruch genommen hat, soll diese laut Winter also auch nicht in diesem Maße mitzufinanzieren haben. Mit dieser Logik müssten Autofahrer auch eine Steuererleichterung erhalten, da sie die subventionierten öffentlichen Verkehrsmittel nicht nutzen. Winters Studie zielt also ganz klar darauf ab, das Solidarprinzip im Bildungssystem abzuschaffen. Wer Bildung nutzt, soll gefälligst auch dafür bezahlen.

Dass viele Studiengänge jedoch eine wirtschaftlich derart unsichere Zukunft bedeuten, dass die Aufnahme von „Bildungsschulden“ mehr als riskant erscheint, sieht Winter offenbar nicht als Problem. Seine Studie kommt zu dem Schluss, dass es erstrebenswert sei, dass durch Studiengebühren immer mehr junge Menschen in Fächer wechseln, die „individuell rentabel“ sind. Fächer wie Philosophie oder auch Sozialarbeit dürfen laut der Studie also gerne aussterben. Bewertet wird nur anhand marktwirtschaftlicher Rentabilität.

Einen weiteren fadenscheinigen Grund für die Beibehaltung von Studiengebühren sieht Winter in der laut seiner Argumentation aus Gebühren entstehenden Mitbestimmung der Studierenden. Da es sich um ihr Geld handelt, dürfen sie auch mitentscheiden, was damit passiert. Dass dies in der Praxis nicht immer passiert, ist Winter natürlich bekannt. Die Studierenden sind starken Sachzwängen ausgesetzt und haben oft keine Wahl, gegen eine von der Fakultät gewollte Ausgabe der Geldmittel zu stimmen.

Mit der Taktik, „entweder durch Studiengebühren oder gar nicht“, sollen Studis dazu gedrängt werden, grundlegende Aspekte der Lehre aus Gebührenmitteln zu zahlen. Hinzu kommt oftmals ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Studierenden in Fakultätsräten und den Professorinnen und Professoren. Wer seinen Job als studentische Hilfskraft nicht verlieren will, stimmt besser nicht gegen den eigenen Chef. Besonders dann nicht, wenn dieser einem die Wichtigkeit eines bestimmten Projekts – auch im Hinblick auf das eigene Beschäftigungsverhältnis – nahe gelegt hat. Studentische Mitbestimmung muss unabhängig von solchen Sachzwängen existieren können. Die Realität sieht aber anders aus. Im Senat stellen Studierende nur vier von insgesamt 25 Sitzen, die professorale Fraktion stellt 13 Personen. Rein faktisch haben Studierende auf dieser Ebene also keinerlei Mitbestimmungsmöglichkeiten.

Auch die Entscheidungskompetenzen der gewählten Studierendenvertretung sind mehr als begrenzt.

Denn ginge es nach den Studierenden, wären Gebühren schon längst Geschichte bzw. nie eingeführt wurden. Sowohl eine Urabstimmung vor Einführung allgemeiner Studiengebühren als auch die Ergebnisse der jährlichen Studierendenparlamentswahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Zum dritten Mal in Folge wurde in diesem Jahr ein Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA) gewählt, der Bildungsgebühren von der Kita bis zur Hochschule in jeder Form ablehnt und gleichzeitig für die gleichberechtigte demokratische Teilhabe aller Statusgruppen an der Uni kämpft. Es bedarf keiner Studiengebühren, damit Studierende gleichberechtigt mit Profesorinnen und Professoren sowie den Angestellten in Mittelbau und Verwaltung die Uni gestalten können. Ohne den zusätzlichen finanziellen Druck wird es Studierenden sogar deutlich leichter fallen, sich stärker gestaltend einzubringen. Und letztlich zeichnet sich ein Studium doch gerade auch durch Selbstständigkeit und Gestaltungskraft aus.

http://www.ruhrbarone.de/ohne-wenn-und-aber-studiengebuhren-sind-unsozial/

Campus und Karriere, 06.05.2010, Katja Gohsmann und Corinna Weiß

Bochum. Die Studiengebühren stehen auf der Kippe, bei den Koalitionsverhandlungen wird sich ihr Schicksal entscheiden. Die Wirtschaftswissenschaftler der RUB haben nun ein drei Jahre altes Thesenpapier überarbeitet und öffentlich gemacht: Studiengebühren sind sozial gerecht und sollten erhalten bleiben.

Kurz nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ist der Streit um das Gratis-Studium in vollem Gange. Universitätsverwaltungen rechnen vor, mit vielen Ausfällen sie rechnen müssten, würden die Studiengebühren wieder abgeschafft. An der Ruhr-Universität Bochum (RUB) betrugen die Einnahmen aus den Studiengebühren im vergangenen Jahr 26 Millionen Euro, wie Sprecher Josef König erklärte. Dagegen sind die Allgemeinen Studierenden-Ausschüsse (AStA) in der Regel anderer Meinung. Beim AStA der Uni Duisburg-Essen beispielsweise steht die Hoffnung auf die finanzielle Entlastung der Studenten im Vordergrund: „Wir begrüßen alle politischen Bestrebungen, die eine Abschaffung der Studienbeiträge zur Folge haben.“

Mitten in diese Debatte platzt nun ein Thesenpapier der Bochumer Wirtschaftswissenschaftler. Darin betrachten sie Studiengebühren rein ökonomisch und kommen zu dem Schluss: „Studiengebühren sind sozial gerecht und geboten.“ Erstellt haben die Wissenschaftler das Papier, in dem sie Argumente gegen Studiengebühren vorstellen und anschließend auseinandernehmen, bereits vor drei Jahren. „Damals herrschte eine große Unsicherheit über den Sinn von Studiengebühren, sowohl an der Uni als auch im Ministerium“, sagt ihr Wortführer Prof. Stefan Winter. Nun sei die Diskussion im Wahlkampf wieder aufgeflammt, so dass sich das Team zu einer Überarbeitung entschlossen habe. „Wir wollen damit auch deutlich machen, was Gebühren an der Uni bewirken können“, sagt Winter, und nennt als Beispiel seinen Lehrstuhl, der 1,5 Mitarbeiterstellen mehr habe und auch zusätzliche Seminare anbieten könne.

Flächendeckendes Kreditsystem gefordert

Die vielfach geforderte Abschaffung der Studiengebühren sei daher keine Lösung für das Bildungssystem, in dessen Hochschulen deutlich mehr Studenten aus reicheren als aus armen Familien sitzen. „Vom kostenlosen Studium profitieren vor allem die Wohlhabenden, da sie diesen Bildungsweg ohnehin mehr nutzen.“ Aus staatlicher Umverteilungssicht sei Gebührenfreiheit genauso unsinnig wie der verminderte Mehrwertsteuersatz auf Lebensmittel. Dieser komme eben nicht nur den sozial Schwachen, sondern vor allem den Besserverdienenden zu Gute. Und da sie auch für Lebensmittel mehr ausgäben, würden sie pro Kopf mehr gefördert als die Schwachen.

Die aber, die nicht studieren und durchschnittlich ein niedriges Lebenseinkommen haben, finanzierten darüber hinaus über ihre Steuern die Ausbildung der reicheren Studenten mit. So entstehe eine faktische Umverteilung von unten nach oben, auf die schon Karl Marx hingewiesen habe.

Damit aber auch Kindern aus Arbeiterhaushalten der Sprung an die Uni gelingt, wollen die Wissenschaftler Studenten individuell fördern. Sie schlagen ein flächendeckendes Kreditsystem zur Gegenfinanzierung vor, bei dem die Möglichkeit besteht, die Rückzahlung einkommensabhängig zu gestalten und ärmeren Hochschul-Absolventen den Kredit sogar komplett zu erlassen. Das soll auch die Studenten, die Angst vor einem Schuldenberg zum Berufsstart haben und zudem ihre Jobaussichten noch nicht einschätzen können, zum Studium animieren.

Zu viele Studenten wanderten ab

Der generelle Verzicht auf Studiengebühren hat laut Winter mehrere Nachteile – vor allem mit Blick auf die Globalisierung der Arbeitswelt: „So laden wir weltweit zur Plünderung ein.“ Menschen aus dem Ausland könnten kostenlos in Deutschland studieren. „Aber anschließend geben wir ihnen keine Aufenthaltsgenehmigung und jagen sie aus dem Land.“ Außerdem wanderten derzeit vor allem deutsche Mediziner nach England und Skandinavien ab – die Kosten für ihr teures Studium zahlen sie laut Winter dann eben nicht über ihre Steuern in Deutschland zurück. „Da die europäische Hochschulpolitik explizit auf eine Erhöhung der internationalen Mobilität ausgerichtet ist, entzieht gerade diese Politik selbst der Gebührenfreiheit ihre Legitimation“, heißt es im Thesenpapier.

Die Wissenschaftler erkennen an, dass der Verzicht auf Gebühren das Studium gerade für ärmere Abiturienten zunächst attraktiv erscheinen lässt. „Allerdings hatten wir 60 Jahre lang keine Gebühren und trotzdem setzte und setzt sich der überwiegende Teil der Studenten aus besser situierten Familien zusammen.“

Blieben die Studiengebühren auch bei der neuen Landesregierung erhalten, würden sich langfristig rentable und weniger rentable Studienfächer, die dann mit einem Rückgang der Studentenzahlen rechnen müssten, herausbilden. Das ist von den Wissenschaftlern aber durchaus gewollt: „Keine Volkswirtschaft kann es sich auf Dauer leisten, in erheblichem Maß in die Bereitstellung von Studiengängen zu investieren, die negative Bildungsrenditen erzeugen.“ Es wäre das Aus für viele der sogenannten „Orchideen-Fächer“ wie Skandinavistik oder Ökotrophologie.

Das Wort „Gerechtigkeit“ hört Stefan Winter in der aktuelle Debatte um Studiengebühren oft. Er gibt zu bedenken: „Wer fördert eigentlich die Menschen, die es nicht bis zur Uni schaffen?“

http://www.derwesten.de/nachrichten/campus-und-karriere/Bochumer-Professoren-halten-Studiengebuehren-fuer-sozial-gerecht-id2950097.html