PolDi-Vortrag am 29.11.: „Wandersplitter – Eine Anti-Biographie“
Author: oeff
27
Nov

Zur Erinnerung an Thomas Harlan
(1929-2010)
29. November 18.30 Uhr KulturCafeWir erinnern durch seine ‚eigenen‘ Worte an den vor einem Jahr am 16. Oktober 2010 in Berchtesgaden verstorbenen Thomas Harlan. Als der schwer Lungenkranke bereits auf ein Zimmer in einer Heilanstalt gegenüber Hitlers vormaligen Berghof beschränkt war, versuchte er in dem gemeinsam mit Christoph Hübner von 2001 bis 2005 realisierten Interviewfilm „Wandersplitter“ diesen physisch eingeengten Raum nochmals zu überspringen und die Erfahrungen seines Lebens erzählend einzuholen. Er, liebender Sohn von Veit Harlan („Jud Süß“) und auch deshalb Brandstifter und engagierter Antifaschist, früh und noch oftmals aus Deutschland exilierter und sich selbst exilierender Reisender, Internationalist und Kosmopolit, nach Frankreich, Israel, in die Sowjetunion, Italien, Portugal, Chile, die USA, Freund von Marc Sabathier-Levêque, Gilles Deleuze, Klaus Kinski, Fritz Bauer, Giangiacomo Feltrinelli. Schriftsteller, von der Wahrheit in der Sprache Getriebener und auf eine bestimmte Weise deshalb erfolgreichster „Nazi-Jäger“ der 60er Jahre, zum Aufbau einer portugiesischen landwirtschaftlichen Kooperative und zur Gewalt des postnazistischen Deutschland und ’seiner‘ Nazis arbeitender Revolutionär und Aktivist, Dokumentierer und Filmemacher. Aus den Brüchen und „Unfällen“ (Harlan) die diese, und letztlich jede Biographie bedeuten, entsteht so vor unseren Augen, reflektierend, springend, denkend, abbrechend, eine subjektive, aber alles andere als ’schicksalhafte‘ Einheit suggerierende „Anti-Biographie“, nicht nur seiner selbst.
Thomas Harlans erzählerisches Werk erschien im Eichborn Verlag, Berlin. Seine Gesammelte Werke erschienen im Rowohlt-Verlag, Hamburg. Ein Teil seiner Filme liegt in der Edition Filmmuseum, München auf DVD vor.
www.thomasharlan.com
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