Der AStA der Ruhr-Universität Bochum bewertet die heutige Bildungsstreik-Demo unter dem Motto „Geld für Bildung, statt für Banken und Konzerne“, die mit 300 TeilnehmerInnen durch die Bochumer Innenstadt zog, als kleinen, aber wichtigen Erfolg. Studierende sowie Schülerinnen und Schüler sind gemeinsam für ein besseres und gerechteres Bildungssystem auf die Straße gegangen, denn Kopfnoten und Studiengebühren sind zwar abgeschafft, aber die überwältigende Mehrheit der Forderungen sind immer noch nicht erfüllt. Noch immer sehen sich Studierende und SchülerInnen mit einer Vielzahl von Problemen und Ungerechtigkeiten konfrontiert..

Selbstbestimmtes Lernen statt Anwesenheitspflichten

Bei den vergangenen Streiks war die Abschaffung der Anwesenheitspflichten eine der zentralen Forderungen von studentischer Seite. Diese verhindern nicht nur eine selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Lernen, sondern stellen für die vielen Studierenden, die neben der Uni noch erwerbstätig sind, auch ein zeitliches Problem dar. Inzwischen müssen rund 2/3 der Studierenden in NRW ihren Lebensunterhalt mit Nebenjobs bestreiten – die Anwesenheitspflichten erschweren die Jobsuche jedoch massiv.

Es ist vollkommen unverständlich, dass in vielen Veranstaltungen die Anwesenheitspflichten noch nicht abgeschafft sind, obwohl Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung (MIWF) NRW bereits vor 2 Monaten festgestellt hat, das diese grundsätzlich unzulässig und nur in Sonderfällen erlaubt sind. (Link: http://www.asta-bochum.de/2011/11/erklarung-des-wissenschaftsministeriums-nrw-zum-thema-anwesenheitspflichten/)

Studentische Hilfskräfte – ArbeitnehmerInnen zweiter Klasse?

Doch auch Studierende, die es schaffen, neben dem Studium zu arbeiten und einen Job als Studentische Hilfskraft ergattert haben, stehen vor einer Vielzahl von Problemen:
Die Arbeitsverträge sind oft sehr kurz befristet und machen jede Planungssicherheit unmöglich; unbezahlte Überstunden und Arbeiten am Wochenende sind keine Seltenheit. Sie werden meist kaum über ihre Rechte aufgeklärt und als Arbeitnehmer zweiter Klasse behandelt. Während andere Beschäftigte an der Uni einen Personalrat wählen, der ihre Interessen vertritt, sind studentische (und bis vor kurzem auch wissenschaftliche) Hilfskräfte davon explizit ausgenommen (Personalvertretungsgesetz für das Land NRW, § 5). Der AStA fordert daher, eine Personalvertretung für studentische Hilfskräfte gesetzlich zu verankern.

Daher haben wir als AStA gemeinsam mit anderen anderen ASten in NRW, der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) und dem Verein zur Vernetzung des wissenschaftlichen Nachwuchses (VVwN) eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, die die studentischen Hilfskräfte über ihre Rechte aufklären und für die Verbesserung ihrer Beschäftigungssituation eintreten soll. Sie fordert unter anderem einen einheitlichen Tarifvertrag, damit Mindestlöhne in Zukunft nicht mehr unterschritten und Arbeitszeiten nicht mehr überschritten werden. Wir schließen uns der Forderung der GEW an, einen Mindestlohn von 11 € für studentische Hilfskräfte fordert.

Durch die Umstellung auf Bachelor- und Master ist die Arbeitsbelastung der Studierenden stark gestiegen. Die 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes (DWS) ermittelte eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 44 ½ Stunden für Uni und Arbeiten in NRW.

Stressfaktor Uni

Der durch den Leistungsdruck hervorgerufenen Stress wird durch die häufig viel zu vollen Hörsäle und Seminarräume noch verstärkt. Mit der Aussetzung der Wehrpflicht und den doppelten Abiturjahrgängen hat sich die Situation zusätzlich verschärft. Anstatt die Raumsituation zu verbessern, werden einfach die NCs angehoben, sodass viele Jugendliche keinen Studienplatz bekommen. Für viele Studiengänge wird inzwischen Abitur-Schnitt mit einer 1 vor dem Komma erwartet. Die Studierenden, die im dann im Nachrückverfahren doch noch zugelassen werden, haben oft schon die ersten Vorlesungswochen verpasst.

Auch bei den Masterplätzen werden die Zugangsbeschränkungen einfach erhöht, statt neue Studienplätze zu schaffen. Die studentische Senatsfraktion der Ruhr-Uni konnte im Juli jedoch erfolgreich eine Resolution in den Senat einbringen, die von der Landesregierung endlich eine ordentliche finanzielle Ausgestaltung der Masterstudiengänge fordert. Damit wurde ein wichtiger Grundstein gelegt, damit die akute Unterfinanzierung und die extremen Zulassungsbeschränkungen der Masterplätze endlich ein Ende haben.

Gemeinsame Interessen

Daneben bestehen natürlich noch viele weitere Forderungen. „Studierende und SchülerInnen haben die gleichen Interessen und sehen sich oftmals mit ähnlichen Problemen konfrontiert: Marode Schulgebäude und Hörsääle, Unterfinanzierung der Schulen und Universitäten, Verkürzung der Schul- und Studienzeit und forcierte Ausrichtung der Lehre auf die wirtschaftliche Verwertbarkeit, um nur einige zu nennen.“, sagt Jan Holthuis, Referent für Hochschul- und Bildungspolitik beim AStA. „Daher begrüßen wir, dass trotz der teilweise eisigen Temperaturen hunderte Jugendliche auf die Straße gegangen sind, um für ihre Interessen und ihr Recht auf Bildung zu kämpfen.“