AStA der Ruhr Uni Bochum
20 Mai

Vortrag am 24. Mai um 19:30 Uhr in HGA30 mit Nadine Müller
In Kooperation mit dem Institut für Sozialtheorie
Im Prozess der Computerisierung findet ein Dominanzwechsel von körperlicher Arbeit an der Maschine zu geistig-kreativen Tätigkeiten, die vor allem durch Software unterstützt werden, statt. Die Arbeitsteilung in Form der Arbeitszerlegung von manuellen Operationen an der Maschine wird obsolet, denn die mechanische Maschine verliert als Kernstück der industriellen Produktion an Bedeutung; an ihre Stelle rückt mehr und mehr Software als das dominante Produktionsmittel. Dieser Dominanzwechsel ist Ausgangspunkt für die These, dass im Prozess der Computerisierung die Trennung von Leitung und Ausführung ihre produktivitätssteigernde Wirkung einbüßt und ihre herrschaftssichernde Funktion prekär wird. Die betriebliche Hierarchie als Trennung von Leitung und Ausführung und Grenze einer Demokratisierung am Arbeitsplatz hängt mit den kapitalistischen Eigentumsverhältnissen eng zusammen. Deshalb verändern sich die Arbeitsteilung und die Eigentumsverhältnisse, damit die Arbeitsanforderungen im Prozess der Computerisierung erfüllt werden können. Aber die daraus resultierende praktische Vermittlung zwischen Eigentum und Herrschaft auf der einen Seite und dem computerisierten Produktionsprozess auf der anderen Seite als nur relative Selbstorganisation der Arbeitenden ist ineffizient. Es werden neue praktische Widersprüche offenbar. Da die kapitalistische Wirtschaft aufgrund ihrer – wenn auch sich verändernden – hierarchischen und privatarbeitsteiligen Struktur auf die Anforderungen der Computerisierung in lediglich suboptimaler Weise reagiert und die daraus resultierenden Krisen nicht bewältigt, erwächst die Notwendigkeit einer Demokratisierung von Arbeitsteilung. Diese Demokratisierung ist die Voraussetzung zur Entfaltung einer nachhaltigen Kreativität – in Form der „Kooperativen Individualität“.
Dr. Nadine Müller ist Sozialwissenschaftlerin und lebt in Berlin. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Innovationsforschung und nachhaltiges Ressourcenmanagement an der TU Chemnitz sowie Lehrbeauftragte an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Arbeitsteilung und Kooperation, Computerisierung, intellektuelle Eigentumsrechte und industrielle Beziehungen.
Aktuelle Veröffentlichung: “Reglementierte Kreativität. Arbeitsteilung und Eigentum im computerisierten Kapitalismus”, Berlin, 2010
One Response for "PolDi-Vortrag am 24.5.: Arbeitsteilung und Eigentum im computerisierten Kapitalismus"
“Aus dem offenkundigen Versagen des historischen Liberalismus erwuchs die sozialistische Bewegung mit dem Ziel, die missbrauchten Freiheitsrechte einzuschränken zugunsten der Gesamtheit und besonders zugunsten der wirtschaftlich Schwachen. Diese Zielsetzung beruht jedoch auf einem Denkfehler; denn der historische Liberalismus versagte nicht, weil er zuviel, sondern weil er zuwenig Freiheit verwirklichte.”
Dr. Ernst Winkler, aus “Theorie der Natürlichen Wirtschaftsordnung”, 1952
Die Arbeitsteilung erhob den Menschen über den Tierzustand, und die Qualität der makroökonomischen Grundordnung bestimmt den Grad der Zivilisiertheit, die der Kulturmensch erreichen kann. Ist die Makroökonomie noch fehlerhaft, bedarf es einer künstlichen Programmierung des kollektiv Unbewussten (Religion), um das arbeitende Volk “wahnsinnig genug” für das Unternehmen “Arbeitsteilung mit Konstruktionsfehlern” zu machen:
http://www.deweles.de/willkommen.html
Am schlimmsten betroffen von der Religion sind – unabhängig vom so genannten Glauben (Cargo-Kult) – die Politiker, deren sinnfreie Existenz sich darin erschöpft, mit aller zur Verfügung stehenden Unvernunft etwas “regeln” zu wollen, was nicht geregelt werden kann, solange es sich durch das vom Kapitalismus befreite Spiel der Marktkräfte nicht selbst regelt.
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